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Dendemann – Live in der halle02, Heidelberg

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Es hat fast sentimentalen Wert: Dendemann lädt nach Heidelberg, in die Wiege des deutschen Hip-Hops – und alle kommen sie. Die Protagonisten, die der deutschsprachigen Rapmusik vor über zwei Jahrzehnten das Laufen lehrten.

Sie lassen es sich nicht nehmen, dabei zu sein, wenn der letzte große Wortakrobat ihrer Zunft nach fast einer Dekade ohne neue Platte nochmal einen raushaut.

Da ist Torch ganz am Ende zu „Danke, Gut“ mit Dendemann auf der Bühne und grüßt zum Eins-Zwo-Klassiker die extra angereisten Massive Töne.

Die Stieber Twins stehen direkt daneben und grinsen vom Bühenrand aus in sich hinein. Sie werden von Dendeman einige Male angeteasert, scheuen aber den Gastauftritt.

Und das sind nur die, von deren Anwesenheit man weiß. In der restlos ausverkauften Halle02 drängen sich die Hip-Hop-Fans schon zum Support-Act Döll von der Theke bis zum Fotograben. Wer weiß, welch Prominenz sich noch dazwischen gemogelt hat.

Der Darmstädter Support-Rapper gibt in Wort und Gestik den idealen Aufmacher, weil er sich der gleichen Werte bedient wie Daniel Ebel, der sich ab Mitte der 90er Dendemann nennt und mit Arme Ritter im Vorprogramm von Fettes Brot erstmals auf sich aufmerksam macht.

Welch Gewicht die Songs seines kurz darauf mit DJ Rabauke gegründeten Projekts Eins Zwo auch heute noch haben, lässt sich an der Textsicherheit des Publikums bei „Danke, Gut“ und dem darauffolgenden „Hand Aufs Herz“ unschwer festmachen.

Im bunt gemischten Publikum, in dem die 80er-Jahrgänge die Mehrheit ausmachen und die 70er laut Dende den Schnitt versauen, geht es allen „sehr sehr gut“ – nicht erst bei den erlesenen Zugaben.

Schon zu „Endlich Nichtschwimmer“ von Dendemanns erstem Soloalbum fliegen die Arme durch die Luft. „Die Pfütze des Eisbergs“ ist die Platte, mit der er endgültig zu „Deutschlands Lieblingsrapper“ wird und diesen Ruf seither mit jedem neuen Album – und zwischenzeitlich beim Neo Magazin Royale – verteidigt.

Im Fokus steht heute Abend sein hervorragendes neues Album „Da nich für!“, worauf er sich ungewohnt politisch zeigt und gerade deshalb genau den richtigen Ton trifft.

„Wo Ich Wech Bin“, „Ich Dende Also Bin Ich“ und die grandiose Single „Keine Parolen“ bilden das Auftakt-Trio, das nach dem rockigeren Grundsound auf „Vom Vintage Verweht“ zeitgeistigere, aber jederzeit stilechte Hip-Hop-Beats bevorzugt.

Den Soundspagat zu älteren Songs umschifft Dendemann dann einfach mit alternativen Versionen seiner Stücke, bei denen seine vortreffliche Live-Band „Die Freie Radikale“ den Sound an die neueren angleicht.

So muss man weder auf „Kommt Zeit Dreht Rad“ noch auf „Inhalation“ verzichten. Die potenzielle Hitdichte wird mit diesem Kniff aber so groß, dass sich Dendemann ein ums andere Mal mit einem Medley aus der Zeitnot winden muss.

Die fast fünf Minuten der Studioversion von „Papierkrieg“ stutzt er so auf eine Strophe und einen Chorus, bevor er zu „Stumpf Ist Trumpf“ überleitet.

Dieser Crossfade folgt direkt nach dem brandneuen „Zauberland“ und man fragt sich insgeheim bei beiden Songs, wie viele Rapper wohl so viel Weitsicht und Klugheit mitbringen, dass sie Rio Reiser und Tocotronic sampeln würden?

Die, denen das eventuell vielleicht auch zuzutrauen gewesen wäre – ob sie nun Blumentopf, Stieber Twins oder Torch heißen – sie sind längst als Rap-Rentner im Ruhestand und schauen sich das Geschehen von der Seitenlinie aus an.

Und deshalb ist das Konzert auch dieser sentimentale und doch dringende Wunschgedanke, dass es Dendemann, die Pferdelunge, noch ein paar Jahre machen wird, dabei die richtigen, so wie Döll, inspiriert, bevor mit Kollegah und Co tatsächlich nur noch „Stumpf Ist Trumpf“ bleibt.

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