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The Streets – Live im Schlachthof, Wiesbaden

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„Mike, Mike, ich wär‘ gern wie Mike, denn Mike zeigt mir meine Mittelmäßigkeit.“ Fatoni verneigt sich mit seinem letzten Song als unterhaltsamer Supportakt im rappelvollen Schlachthof vor seiner Hassliebe Mike Skinner alias The Streets.

Ob Skinner wusste, dass Fatoni eine solche Hommage vor vier Jahren auf „Yo Picasso“ unterbrachte und er sie dem Anlass entsprechend sehr wahrscheinlich performen würde? Vermutlich schon. Dass Skinner ihn womöglich nicht trotz, sondern gerade deswegen als Supportact auswählte, ist auch wahrscheinlicher als nicht.

Die eigene Performance tangiert diese seltene Wegbereitung dennoch kaum. Denn Mike Skinner feiert seine eigene Party. Feuchtfröhlich, exzessiv, im schwarzen Outfit eines hageren, aber äußerst schlagfertigen Hip-Hop-Hooligans – very british.

Immer ein Bier in der Hand, das er auf seinem Smartphone balanciert, sich selbst genehmigt oder in die Menge wirft. Die Putzkolonne des Schlachthofes verflucht ihn noch immer.

2010 gab er das Ende von The Streets bekannt. Ihm seien die Ideen ausgegangen. Das 2011 erschienene und wenig überzeugende „Computers And Blues“ würde das letzte sein. Seit vergangenem Jahr wissen wir es besser.

Nachdem er ein paar B-Seiten veröffentlichte, gab der britische MC in seiner Heimatstadt Berlin 2018 das große Comeback-Konzert. Anschließend sprach er von einem möglichen neuen Album. Doch zuvor könne es noch eine Tour geben.

Und hier sind wir: Im Schlachthof Wiesbaden, so ausverkauft wie die Anfield Road bei einem CL-Spiel, mit nicht minder leidenschaftlichen Zuschauern. Die Stimmung ist knisternd, die ersten Töne zu „Turn The Page“ prophezeien bereits die Ekstase, die sich gleich Bahn brechen wird.

Und da ist Mike Skinner, lässt sich nicht lange bitten und taucht schon beim ersten Song in die Menschenmenge, klettert aus dem Graben, prostet zu und wirft den nächsten vollen Bierbecher ins Publikum, als hätte jeder endlos Zeit, am nächsten Tag auszukatern.

Sein Mundschenk leistet Akkordarbeit und ist mit dem Rhythmus von Skinners super-tighter Live-Band gekoppelt. Die Souveränität und Qualität seiner Truppe erlaubt dem Frontmann die völlige Narrenfreiheit, zum Crowdsurfen und Circle-Pits anleiten.

Hat er gerade keinen Becher zur Hand, köpft er Champagner-Flaschen und duscht die ersten Reihen ab. Er sagt Dinge wie „Let‘s make this wednesday a friday“ und „You‘re the most cuddeling crowd I‘ve ever seen.Er wiederum umarmt kurzerhand seinen Sidekick Kevin Mark Trail, der ihm gesanglich um Welten überlegen ist.

Zusammen feuern sie vor allem das großartige Debüt „Original Pirate Material“ ab. Wobei die, die niemanden zum Umarmen finden, nicht außen vor bleiben sollen. Skinner fordert die Zuschauer bei leiseren Stücken auf, einen Fremden zu umarmen. Das Publikum gehorcht.

Die leiseren Stücke, allen voran das Trennungsdrama „It’s Too Late“ oder „Dry Your Eyes“, sind die kurzen Pausen zwischen zwei Champagnerduschen oder dem nächsten Becherwurf, den das Publikum nicht nur geduldig, sondern regelrecht empathisch über sich ergehen lässt.

Es ist schließlich Mittwoch! Und außer Mike Skinner und seiner Truppe dürften am Donnerstag nur die wenigstens im Rückblick von einem Freitag schwärmen.

Für die Dauer des Konzerts scheint das alles ausgeblendet. Die British-Working-Class lädt zur After-Work-Party für hessische Angestellte – wo Gleichberechtigung groß geschrieben wird. Denn Skinner ermutigt die Frauen zu crowdsurfen, was sie prompt tun.

Überhaupt ist das Publikum hörig und klebt an den Lippen eines Entertainers, der besser als je zuvor so bestimmt wie charmant seine Prominenz einzusetzen weiß.

Dass beim finalen „Fit But You Know It“ noch Restenergie aus dem Publikum quillt, ist der unbändigen Partykanone von Song und Urheber geschuldet. Eigentlich müssten die Füße längst am schmierigen Boden festkleben.

Es ist ein Abriss galore, den man in seiner Konsequenz den Songs auf Platte nicht immer anhört, der entsprechend dem lang ersehnten Comeback jedoch völlig aufgeht. Absolut Lovely!

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