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Es hatte eine sehr therapeutische Wirkung – SASAMI im Interview

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Mit dem ersten Solo-Album kommt eine Menge Verantwortung. Man wird erstmals als alleiniger Schöpfer der Musik wahrgenommen, die man produziert, man hat erstmals die Möglichkeit nur sich selbst in einer Platte zu verwirklichen, man muss erstmals den ganzen Kram allein in den Van räumen, wenn der Abend gelaufen ist. Wir trafen uns mit Sasami Ashworth kurz vor dem Release ihres Debütalbums „Sasami“, um darüber zu reden, wie aus Sasami Ashworth Sasami wurde, warum das Internet das Ende der großen Labels bedeutet und warum die Erkenntnis darüber, dass alles schiefgehen kann, so beruhigend ist.

MusikBlog: Sasami, du bist letztes Jahr ja ganz schön rumgekommen. Als Support für Snail Mail, King Tuff und viele andere. Inspiriert es dich, die Bühne mit so unterschiedlichen Musiker*innen zu teilen? Lernt man da was?

Sasami: Auf jeden Fall. Egal, wo ich mich in meinem Leben befunden habe, irgendwas konnte ich immer mitnehmen. Egal, ob ich im Studio war, irgendjemanden bei den Aufnahmen unterstützt hab oder in einer Band gespielt habe. Auf Tour mit anderen Bands und Künstler*innen lerne ich jetzt noch einmal die Basics einer Solo-Künstlerin. Wie lade ich meine Sachen am Abend wieder in den Van und so einen Kram. Und ich habe gelernt, dass ich die E-Gitarre als Solo-Support etwas aufdrehen muss, damit mich die ganzen trinkenden und redenden Menschen noch hören. (lacht)

MusikBlog: Und dein erstes Solo-Album steht auch in den Startlöchern. Es scheint mir sehr persönlich zu sein, beinahe eine spirituelle und selbstreinigende Wirkung zu haben. War das beabsichtigt?

Sasami: Das Album hat für mich eine sehr therapeutische Wirkung. Nicht nur inhaltlich, auch der ganze Prozess drumherum. Emotionale Therapie beim Schreiben der Songs und musikalische Therapie in der Kollaboration mit so vielen tollen Leuten, die mit mir das Studio geteilt haben. Es hatte also auf jeden Fall eine reinigende, erfrischende und stärkende Wirkung. Die vielen Künstler*innen, die mich bei den Aufnahmen unterstützt haben, konnten spüren, dass ich ehrliche und emotionale Musik machen wollte, und haben sich dementsprechend…

MusikBlog: …geöffnet?

Sasami: Ja, genau. Sie haben gemerkt, dass ich ehrlich und verletzlich war und haben dieses Verständnis in ihre Arbeit übernommen. Mein Bruder hat auf dem Album auch sehr viel eingespielt. Sogar er, mein kleiner Bruder, hat mich unterstützt und sich mir auf einer ganz neuen Ebene geöffnet. Das hat uns nochmal viel enger zusammengebracht als gemeinsame Weihnachten und Familientreffen.

MusikBlog: Ein Songtitel, der sofort ins Auge fällt, ist „Turned Out I Was Everyone“. Das klingt wie eine Metapher für die Identitätskrise, durch die viele Leute heutzutage gehen.

Sasami: Mir ist es sehr wichtig, dass sich jeder in irgendeiner Weise mit meiner Musik identifizieren kann. Kennst du Astrologie-Memes? Die auf Instagram, unter denen sich Menschen mit unterschiedlichen Sternzeichen markieren?

MusikBlog: Klar, da kommt man ja kaum drumherum.

Sasami: Genau. Und fast jeder schreibt etwas darunter wie: „That’s so me.“ Alle fühlen sich individuell angesprochen und verstanden. Genau das möchte ich mit meiner Musik auch erreichen. Jeder soll seine eigene Verbindung zu den Texten aufbauen. Mir geht es da genau so, wenn ich Musik höre.

Ich weiß auch nicht, was Neil Young gefühlt hat, als er seine Lieder schrieb, aber ich weiß, was ich fühle, wenn ich seine Lieder höre. Und ich weiß, was ich fühle, wenn ich meine Lieder schreibe, was für mich auch etwas völlig Neues ist. Manchmal ist es wirklich schwierig, ein unsichtbares Gefühl in Wörter zu übersetzen und spürbar zu machen. Im Studio wird das Gemälde gemalt, beim Schreiben entscheide ich, was für ein Gemälde es werden soll.

MusikBlog: Nochmal zum Thema Identität. Es gibt mit Künstlerinnen wie Courtney Barnett und Snail Mail immer mehr Musikerinnen, die sehr persönliche und authentische Alben veröffentlichen und damit Erfolg haben. Ist diese Entwicklung eine Reflektion dessen, was in der Gesellschaft passiert?

Sasami: Für mich ist das schwierig zu erfassen, weil ich mich in so einer künstlerischen Blase befinde, in der derart viele weibliche und nicht-binäre Künstler*innen existieren, dass ich den globalen Zusammenhang oft aus den Augen verliere. Aber der Wind hat sich auf jeden Fall gedreht, wenn ich das so sagen darf.

Vor ein paar Jahren herrschte noch das Diktat der großen Labels, die Ikonen und Ideale schafften und jedem befahlen, diese Musik zu kaufen und genau so sein zu wollen. Das Internet hat allen die Möglichkeit gegeben, genau die Musik zu hören, die sie hören wollen. Popkultur ist viel demokratischer geworden und es kann wirklich wichtig für jemanden sein, Musiker*innen zu finden, die die gleiche Geschichte, Hautfarbe und das gleiche Geschlecht haben.

Natürlich kann jeder Mensch auch weiterhin Musik von weißen Männern hören und mögen, aber für manche ist es zum Beispiel sehr ermutigend, dass eine asiatische Frau Rockmusik macht. Was das angeht, ist das Internet ein zweischneidiges Schwert, mit dem wir leben müssen. Es setzt die Künstler in einen enormen Konkurrenzkampf, aber es gibt auch den Konsumenten ein großes Stück Selbstbestimmung zurück.

MusikBlog: Ein Stück Selbstbestimmung holst du dir mit deiner ersten großen Solo-Headline-Tour auch zurück. Hättest du das jemals von dir erwartet, war das vorgesehen?

Sasami: Es ist ein total neues Konzept für mich, aber überhaupt nicht unnatürlich. Manche Leute sagen mir, dass meine Geschichte sie inspiriere. Ich inspiriere mich selbst auch, wenn ich so darüber nachdenke. Ich wurde nicht geboren als Frontfrau, ich war immer ein Musiknerd, spielte das Horn im Orchester. Ich war nicht cool!

Und ich glaube, dass jeder durch solche Phasen geht. Lange Zeit wollte ich nur obskure Musik machen, habe dauernd Post-Punk gehört, komische, gewollt unterkühlte Musik. Ich hatte Angst davor, ehrlich zu sein; Musik zu machen, die nicht innovativ und vielleicht sogar nicht angeberisch war. Das Leben ist zu kurz, um nicht ich selbst zu sein. Ich kann jetzt ehrlich sein und das spiegelt sich auch in meiner Musik wieder.

MusikBlog: Jetzt hast du keine Angst mehr davor, irgendetwas zu verpassen, nicht auszuprobieren oder nicht zu können, weil du es schon gemacht hast?

Sasami: Definitiv. Meine musikalische und meine persönliche Entwicklung sind immer sehr parallel verlaufen. Ich habe viel ausprobiert, viel experimentiert und viel gelernt. Jetzt bin ich geerdet. Das Beste am Menschsein ist aber, dass ich in einem Monat auch schon wieder ein totales Wrack sein könnte, total unglücklich mit dem, was ich mache. Wir sind so fragil und ändern uns so schnell, dass ich mich dazu entschieden habe, immer im Moment zu leben und es zu genießen, weil es in einem Jahr alles vorbei sein könnte.

MusikBlog: Die Person, die du gerade bist, möchtest du also ohne Filter und Zeitverzögerung in deine Kunst übersetzen?

Sasami: Genau. Momentan befinde ich mich damit in einer angenehmen Situation. Jemand könnte mir meinen Laptop klauen, ich könnte eine richtig schlechte Platte machen, aber das alles ist wundervoll. Diesen Geisteszustand musste ich erreichen und manifestieren. Das klingt alles so einfach und gleichgültig, aber das ist es nicht. Um an so einen Ort zu kommen muss man hart arbeiten. Und mein Album ist mein Manifest dafür.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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