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Die beste Kunst ist die, die nur einem selbst gefällt – Circa Waves im Interview

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Um ihre Pop-Affinität haben Circa Waves noch nie ein großes Geheimnis gemacht. Ausgelebt hatten die vier Briten sie bislang nur bedingt. Damit ist auf dem neuen Album „What’s It Like Over There“ Schluß. Auf ihrem dritten Longplayer scheuen Circa Waves weder Pop-Instrumentarium, noch simple Melodien oder Bombast und schielen damit ganz klar in Richtung der großen Bühnen. Mit Frontmann Kieran Shudall haben wir nicht nur über die Entstehungsgeschichte der neuen Platte gesprochen, sondern auch über selbstauferlegte Grenzen und der Besessenheit von dem Leben Anderer.

MusikBlog: Euer neues Album heißt „What’s It Like Over There?“ Wo ist denn dieses “Over There?”

Kieran Shudall: Ich habe die Platte geschrieben, als ich gerade durch Amerika gefahren bin. Ich war in einem traumartigen Zustand, weil ich totalen Schlafmangel hatte und deswegen nicht sehr fokussiert war. Als ich dann zurück nach Liverpool kam, hatte ich diese ganzen Songtexte und Ideen. Ich habe dann in England angefangen, an der Platte zu arbeiten, aber hatte die Songs ja eigentlich schon in Amerika geschrieben. Es war ein bisschen so, als würde ich mir selbst von England aus dabei zuschauen, wie ich durch Amerika fahre und diese Songskizzen aufschreiben. Das ist aber jetzt mein ganz persönliches „Over There“. Wir wollten den Titel bewusst offen für verschiedene Interpretationen lassen.

MusikBlog: Was wäre denn eine andere Interpretation?

Kieran Shudall: Für uns als Band ging es darum, dass die ganze Welt zur Zeit ein bisschen besessen davon ist, was „die Anderen“ so machen. Keiner denkt mehr über sich selbst nach, sondern viele schauen sich täglich das Leben von anderen Leuten an und denken, deren Leben sei besser und wünschen sich, ihres wäre genau so gut. Aber man kann den Titel natürlich auch auf viele andere Wege interpretieren.

MusikBlog: Beziehst du dich damit auf Social Media?

Kieran Shudall: Natürlich auch. Es geht um die generelle Besessenheit von anderen Menschen und in den sozialen Medien kommt das natürlich viel zu Tage. Die Leute stellen ihr Leben viel interessanter dar, als es eigentlich ist und ich denke, das färbt ab. Dabei haben viele sicher gar nicht so eine tolle Zeit, wie sie es auf ihren Profilen gerade vorgeben,

MusikBlog: Werden den Personen auf dem Cover zu „What’s It Like Over There“ die Augen zugehalten, damit sie nicht zu sehr auf die anderen Menschen schauen?

Kieran Shudall: Wir hatten als Band diese Idee, dass die beiden Personen geschlechtslos sein sollen. Ein bisschen sieht es aus, als seien es ein Junge und ein Mädchen, aber wir wollten auch da ein bisschen Interpretationsspielraum lassen. Auch bezüglich des Ortes – man weiß nicht genau, wo sie sich befinden. Vielleicht sind sie nicht mal auf diesem Planeten. Und irgendwann kam uns die Idee, dass sie sich gegenseitig die Augen zuhalten sollen.

MusikBlog: Und warum halten sie sich die Augen zu?

Kieran Shudall: Wie gesagt – das soll jeder interpretieren, wie er möchte. Für mich ist es so, dass die eine Person die andere davor bewahrt, etwas zu sehen, was sie nicht sehen sollte. In der Zeit in der wir gerade leben, werden wir täglich mit schlimmen Nachrichten bombardiert. Wir leben in einer schwierigen Welt und bekommen von dem Fernsehen und den sozialen Netzwerken ständig Angst injiziert. Davor bewahren die Personen auf dem Cover sich in meiner Interpretation gegenseitig.

MusikBlog: Inwieweit seid ihr an dieses Album anders herangegangen als an die vorherigen Platten?

Kieran Shudall: Wir waren viel offener für neue Ideen. Wir fühlten uns bezüglich unserer Instrumente nicht unter Druck und haben Neues ausprobiert. Sam (Rourke, der Bassist – Anm. d. Red.) hat zum Beispiel Klavier spielen gelernt, und wir haben die Instrumente untereinander öfter mal getauscht. Das Studio, wo wir aufgenommen haben, hatte viele Synthesizer und zwei große Klaviere und wir haben uns davon einfach inspirieren lassen. Wir haben uns selbst keine Limitierungen auferlegt.

MusikBlog: Habt ihr in eurer bisherigen Karriere das Gefühl, dass ihr euch selbst Grenzen auferlegt habt?

Kieran Shudall: Ja, auf jeden Fall. Beim ersten Album waren wir eine Garage-Rock-Band. Beim zweiten Album wollten wir ein bisschen nach härterer Rock-Band klingen und bei der aktuellen Platte haben wir uns bewusst dagegen entschieden, uns einem bestimmten Typus anzupassen. Früher haben wir viel gelesen, was andere Leute von uns halten, aber mit dieser Platte wollten wir nur uns selbst gefallen. Und meiner Meinung nach kommt die beste Kunst immer dann zustande, wenn die Künstler nur sich selbst gefallen wollen, statt sich darum zu bemühen, den Erwartungen gerecht zu werden.

MusikBlog: Mit welchen Erwartungen fühltet ihr euch denn konfrontiert?

Kieran Shudall: Von einer Rock-Band wird zum Beispiel ein gewisses Instrumentarium erwartet. Man sollte nicht unbedingt Drum-Machines oder Hip-Hop-Samples, Klavier oder Synthesizer benutzen. Und deine Songs sollten immer irgendwie düster klingen. Wir lassen uns diese Rock-Band-Regeln aber nicht auferlegen. Ich habe kein Problem mit Pop-Musik jeglicher Art, deswegen lasse ich mich gerne davon inspirieren. Es hat immerhin einen Grund, warum man sie Pop-Musik nennt – eben weil sie so populär ist. Wir als Band wollen immer noch alternativ sein, aber wir wollen auch Pop-Sensibilität und Elemente mit einbringen und damit ein breiteres Publikum ansprechen.

MusikBlog: Habt ihr keine Angst davor, dass eure Fans euch diese Absicht ankreiden?

Kieran Shudall: Naja, wenn ich mich um die Fans sorgen würde, dann würde ich nie etwas Neues machen, sondern immer wieder „Young Chasers“ aufnehmen. Und dann würde ich verrückt werden. Ich will Musik machen, die mir und der Band gefällt. So war das schon immer. Und wenn unsere Fans uns deswegen verlassen, dann ist das so. Ich könnte aber nicht mehr in den Spiegel schauen, wenn ich immer wieder die gleiche Musik machen würde. Ich muss mich verändern und weiterentwickeln.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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