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In einer müffelnden Grube aus Drogen, schnodderigen Emotionen und kantigen Soundgelüsten auf und ab hüpfend, zelebrierten die Mitglieder der Fat White Family in den vergangenen Jahren den Aufstand der Regel-Allergiker. Aneckende Gegen-den-Strom-Schwimmer auf der ganzen Welt jubelten und feierten zu den Klängen der beiden Alben „Champagne Holocaust“ und „Songs For Our Mothers„.

Drei Jahre nach ihrem letzten Studio-Ausrufezeichen und pünktlich zum Ende der Reha-Pause von Kreativ-Chef Saul Adamczewski bekommt die einst unüberwindliche Band-Mauer aus Unangepasstheit, Anarchie und Chaos scheinbar erste Risse.

Bereits die 80s-Pop-Eröffnung mit dem monoton pumpenden Einsteiger „Feet“ präsentiert die Band in neuem Licht. Strukturiert, in puncto Präsenz fast schon kultiviert, setzt sich die Combo im folgenden Eckbar-Schluchzer „Vagina Dentata“ weiter von ihrer Klang-Vergangenheit ab.

Handclaps und Chöre („Kim’s Sunset“), Basslines aus dem Primus-Universum („Fringe Runner“) und betörende Harmonien, gefangen in einem Labyrinth aus fiependem Pop-Noise und choraler Weltmusik („Tastes Good With The Honey“) schließen sich an.

Spätestens nach dem narkotisierenden Experimental-Pop-Rausschmeißer „Bobby’s Boyfriend“, der sich zum Ende noch einmal kurz mit Händen Füßen gegen den Sturz ins Bodenlose wehrt, pendelt man daheim vor den Boxen zwischen Euphorie und Entsetzen hin und her.

Was soll man davon halten? Lässt man nach dieser musikalischen Achterbahnfahrt die Korken knallen? Oder türmen sich am Ende doch zu viele Fragezeichen? Muss jeder für sich selbst entscheiden? Auf jeden Fall.

Aber Fakt ist: Fat White Family haben das Polarisieren nicht verlernt. Und allein dafür sollte man in Zeiten, in denen es bei vielen nur noch ums bloße Mitlaufen geht, lautstark applaudieren.

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