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Shana Cleveland – Night Of The Worm Moon

Obacht, Wurmnacht! Shana Cleveland expandiert abseits ihrer hervorragenden, retrofuturistischen Psych-Band La Luz ins Extraterrestrische. Sie fokussiert sich dabei mehr auf das Fabelhafte eines Alien-Kultes, als auf schwarze Löcher.

Schuld daran ist ihr Umzug nach Los Angeles, wo sich bekanntlich verworrene Paradiesvögel am zahlreichsten ansammeln und sich schlingernd über den Sunset Boulevard schieben.

In einem angesagten Hotel besucht Cleveland eine Vorführung einer Dokumentation über einen lokalen Alien-Verehrungskult – natürlich am Pool. Vor dem Foyer steigen Prominente aus ihren Autos und schlagen sich an Autogrammjägern vorbei in einen abgetrennten Raum, wo ein geheimes Abendessen stattfindet.

In der Lobby wird eine Frau dafür bezahlt, in einem Glaskasten nach Luft zu schnappen. Ein als Raumschiff umfunktioniertes Auto hält und lässt 30 weiße Tauben in den Nachthimmel über L.A. steigen.

Die surreale Exzentrik dieser Szene ist Clevelands Initialzündung für „Night Of The Worm Moon“ und verantwortlich dafür, dass die zehn mondänen Singer/Songwriter-Stücke illustre Titel wie „Solar Creep“, „Castle Milk“ oder „Invisible When The Sun Goes Down“ tragen.

Der ganz große Gewinn dieser Platte liegt allerdings darin, dass Cleveland ihre wundersamen, außerweltlichen Eindrücke von Spinnerei und UFO-Sichtung so klar und tief klingen lässt, wie ein Voralpen-See. An diesem Album ist nichts modern und doch alles unwirklich. Nichts zu abstrakt und doch schwer zu greifen.

Es sind letztlich dieselben Mittel, mit denen schon Simon & Garfunkel Weltruhm erlangten: Akustik Gitarre und dezidierte Streicher im Hintergrund. Eine verwunschene Stimme, mit der Cleveland genüsslich die Enden ihrer eleganten Melodien tonartfremd abknickt.

Gute Science Fiction misst sich eben nicht an den neuesten und spektakulärsten CGI-Effekten. Wer Sci-Fi danach beurteilt, findet am Ende noch Blockbuster-Kitsch wie „Avatar“ ansprechend.

Cleveland liest lieber die Parabelromane von Octavia Butler, misst den Wert an der Story, der Aura und Ästhetik – und nimmt dann „Night Of The Worm Moon“ ausgerechnet während eines seltenen kosmischen Ereignisses auf: der Sonnenfinsternis 2017.

Welchen übernatürlichen Einfluss das auch immer gehabt haben mag: Sie spielt mit ihrem stilbewussten, mondänen Folk jetzt in der selben Liga wie Feist oder Cat Power , wo die kaleidoskopische Mystik ihrer Songs kluge Zeichentrick-Filme wie „Watership Down“ genauso untermalen könnte wie Duncan Jones‘ isoliertes Weltraum-Drama „Moon“.

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