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Auto-Tune ist die neue E-Gitarre – Die Orsons im Interview

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Die verschiedenen Charaktere von Die Orsons waren schon immer wie Feuer und Wasser. Der über gut gelaunte Hippie trifft auf den passionierten Schwarzmaler. Das hat sich auch nach 12 Jahren Bandgeschichte nicht geändert, weswegen Die Orsons zwischenzeitlich kurz davor waren, sich aufzulösen.

Ein Bandurlaub sollte Abhilfe schaffen und tatsächlich entstanden Großteile des neuen Albums „Orsons Island“ bereits auf den verschiedenen Inseln. Wir trafen die vier Musiker und sprachen irgendwo zwischen Ernst und Satire über Auto-Tune, Mozart und die aktuelle Rap-Szene.

MusikBlog: Ihr wart kurz davor, euch aufzulösen. Wie kam es dazu?

Kaas: Wir haben eine Band gegründet und uns eigentlich ab dem Moment schon gedacht: „Okay, wow, wann können wir hiermit wieder aufhören?“ Das zieht sich durch wie ein roter Faden. Der einzige rote Faden bei den Orsons ist, dass sie sich immer trennen wollen.

Tua: Es ist so alt wie wir selbst. Diese Bestrebung, dass man eben nicht so richtig weiß, ob man das mit den Orsons noch will oder nicht. Deswegen ist das auch immer wieder Thema.

MusikBlog: Was sind denn die Gründe für diesen Zwiespalt?

Maeckes: Die Orsons wurden als der größtmögliche Kompromiss geboren. Wir tragen schon immer in uns, dass wir verschiedene Visionen von Musik haben. Da ist es natürlich immer wieder schwierig, den Abgleich zu finden und das auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.

Das ist einfach sehr, sehr anstrengend. Gar nicht persönlich, denn ich glaube, unsere Freundschaft ist mit den Jahren immer besser geworden. Aber musikalisch weiß jeder immer mehr, was er eigentlich für Musik machen will.

Wenn man dann wieder mit den anderen zusammenkommt, ist es ein unfassbar krasses Gekämpfe für eine gemeinsame Vision. Und danach ist man immer so erschöpft, dass man sagt: „Wow, das will ich mir nie wieder antun. Ich will nie wieder durch diese Maschinerie – diese Hölle – laufen. Das wäre, glaube ich, der Trennungsgrund.

Tua: Also eigentlich genau das, was jede Band durchmacht. Nur wir erzählen es ein bisschen interessanter.

Bartek: Naja, ich glaube, dass andere Bands schon im ersten Moment gestartet sind, weil sie eben die gleiche Vision von Musik haben.

Alle: Okay, das stimmt.

MusikBlog: Und was hat euch jetzt davon abgehalten, euch aufzulösen?

Tua: Gute Frage. Wir haben 2015 „What’s Goes“ gemacht und waren damit auf Tour. Das war ein relativ erfolgreiches Album, das war alles geil. Danach hatten wir eine längere Pause, in der wir an Solo-Sachen gearbeitet haben, wie das meistens bei uns ist.

Dann wussten wir nicht so recht: „Wo stehen wir überhaupt?“ Die Zeit hat sich verändert, wir haben uns künstlerisch und persönlich weiterentwickelt. Aber dann hatten wir die Idee, dass wir einfach nur als Freunde in den Urlaub fahren wollen. Ein bisschen mit dem Ziel, wieder zueinander zu finden.

Wir wohnen nicht in denselben Städten, das heißt, wir sehen uns auch nicht so oft. Das erste Ziel war demnach, wieder cool miteinander sein und im nächsten Schritt zu schauen, was passiert. Schon beim ersten Trip haben wir gemerkt, dass wir Bock haben, zusammen Musik zu machen. So hat es sich Stück für Stück über viele Trips entwickelt, dass wir uns persönlich und auch musikalisch wieder angenähert haben.

MusikBlog: Du sprachst gerade von euren Solo-Sachen. Stehen eure jeweiligen Solo-Karrieren einer neuen Orsons-Platte im Weg?

Bartek: Ja und nein. Es war ganz klar gesagt, dass jeder sich nach „What’s Goes“ solo austoben kann und wird. Eine neue Orsons-Platte stand an diesem Punkt erst mal gar nicht zur Debatte. Nach einiger Zeit hat dann jeder wieder die Fühler in Richtung Band ausgestreckt.

Kaas: Das ist meiner Meinung nach auch unser Geheimrezept, warum wir seit über zehn Jahren erfolgreich zusammen Musik machen. Wir geben uns immer wieder den Raum, unsere musikalischen Vorstellungen aufblühen zu lassen.

Somit helfen die Solo-Karrieren einer neuen Orsons-Platte sogar indirekt. Das ist auch der große Vorteil, den wir gegenüber anderen Bands haben. Wir haben keinen Druck, sofort ein Orsons-Album machen zu müssen, sondern haben die Freiheit, das zu machen, wonach jedem Einzelnen grade der Sinn steht.

MusikBlog: Dabei heißt es in eurem Vlog: „Chimperator meinten sie können uns zu einem Album bewegen, wenn sie uns in den Urlaub schicken.“ Das klingt schon eher nach Druck.

Maeckes: Das war ein Gag in dem Blog. In Wahrheit war es wirklich genau andersrum. Wir haben überlegt, wie können wir eine Reise machen, die Chimperator bezahlt und wie lange können wir das rauszögern, ohne wirklich ein Album zu machen. Das war der Ausgangspunkt für diese Reise.

Tua: Dummerweise ist aber dann tatsächlich ein Album dabei rausgekommen.

MusikBlog: Ihr wart bei euren Reisen auf mehreren Inseln unterwegs…

Bartek: Kanaren…

Maeckes: Hawaii…

Tua: Sylt und eine Verkehrsinsel in Friedrichshain. Da waren wir am längsten. Ich wohne da.

Bartek: Für mich war dort die stressigste Zeit. Ich fand’s ziemlich gefährlich.

MusikBlog: Habt ihr auf den Reisen nur geschrieben oder die Songs direkt vor Ort aufgenommen?

Bartek: Teils, teils. Auf jeden Fall sind die ersten Versionen von ganz vielen Songs unterwegs entstanden.

Maeckes: Wir haben ganz viele Takes dort aufgenommen, die wir zuerst hier im Studio nochmal rekonstruieren und technisch besser recorden wollten. Die hatten nachgebaut aber leider nicht mehr denselben Vibe. Dann mussten wir – sehr zum Leid unserer Mischer und des Masterings – die ursprünglichen Takes nehmen, weil die einfach die Seele hatten. Da war dann eben noch Meeresrauschen oder irgendwelche anderen Störgeräusche drauf.

Tua: Meeresrauschen, dieses alte Störgeräusch.

MusikBlog: In „Dear Mozart“ benutzt ihr das Thema von Mozarts „Eine kleine Nachtmusik“. Wer hatte die Idee?

Bartek: Da kam die erste Idee eines Nachts von Tua. Wobei Kaas und ich auf den ersten Inseln jeden Abend „Amadeus“ geschaut haben. Wirklich jeden Abend. Das ist dieser eine bekannte Hollywood Film über Mozarts Leben, der auch einen Oscar gewonnen hat. Ein super Film und wir kennen den auswendig. Ich denke, dass das Tua auch unterbewusst Input reingegeben hat. Irgendwann kam Tua dann und meinte: „Hey, was wäre, wenn wir Mozart einen Brief aus der Zukunft schreiben würden. Der Rest ist Geschichte und ist auf dem Album „Orsons Island“ anzuhören.

MusikBlog: Warum habt ihr euch ausgerechnet diesen Film angeguckt?

Bartek: Das weiß nur Salieri (Widersacher Mozarts, Anm. d. Red). Das ist so passiert. Manche Dinge passieren und das ist wie ein Ruf des Universums. Vielleicht war das der Brief von Mozart an uns.

Tua: „Seht euch mal an was ich gemacht habe, jetzt guckt euch mal an was ihr macht. Alter, zieht eure Rückschlüsse und macht diesen scheiß Song.“

MusikBlog: Glaubt ihr, dass die Hörer Mozarts Thema überhaupt erkennen?

Tua: Das ist gar nicht so wichtig. Die Idee kommt eher aus einer anderen Richtung. Wir haben sozusagen nach einer Einigungsgröße gesucht. Es schlägt einem gerade überall so eine große Uneinigkeit entgegen: Ob Hip-Hop noch ist wie früher oder ob Auto-Tune jetzt cool ist oder nicht.

Das sind alles Grundsatzfragen, die gerade zwischen den verschiedenen Generationen der Rap-Hörern aufpoppen. Was ist also eine Einigungsgröße? Wo kann man sagen: „Das ist gute Musik.“? Das haben wir ein bisschen auf die Spitze getrieben.

Man kann alles immer debattieren, aber bei Mozart würde jetzt keiner sagen: „Das war wack.“ Also dachten wir uns, lass uns doch diese Einigungsgröße anpeilen, der einen Brief schreiben und fragen: „Hey, wie findest DU denn das eigentlich?“ Das ist das Grundprinzip des Songs.

MusikBlog: Und wie findet IHR eigentlich Rap gerade?

Bartek: Man findet schon noch eine Handvoll Sachen, die man hören kann.

MusikBlog: Nur eine Handvoll?

Bartek: Ja, aber ich habe mich schon immer schwer getan. Es war immer schon so, dass ich nicht mehr als sechs, sieben Künstler aus Deutschland hören konnte beziehungsweise wirklich Fan war.

Tua: Ich finde genau diese Position extrem schwierig. Darum geht es auch in „Dear Mozart“. Ich will mich nicht hinstellen und sagen: „Ich finde das super scheiße oder alles vorbehaltlos geil.“ Es findet gerade – wie auch schon die ganze Zeit – eine Entwicklung statt.

Wir wollen auch mit dem Song aufzeigen, dass das gerade ein großes Thema ist, zu dem viel Uneinigkeit herrscht. Aber meiner Meinung nach war es schon immer so, dass die Musik stetig im Wandel ist. Das ist sozusagen unsere Darstellung dieses ganz natürlichen, popkulturellen Wandels.

MusikBlog: Viele dieser Diskussionen drehen sich um Auto-Tune. Wie viel Überlebensdauer gebt ihr diesem Hype noch?

Maeckes: Ich glaube, das ist längst kein Hype mehr, sondern bereits Teil der Musik geworden.

Tua: So wie die E-Gitarre.

MusikBlog: Tua, du würdest also die Aussage „Auto-Tune ist wie die E-Gitarre“ unterschreiben?

Tua: Ja, ich – Tua – sage hiermit hoch offiziell: „Auto-Tune ist die neue E-Gitarre.“ Bitte nagelt mich darauf fest. Wir sprechen uns in 15 Jahren nochmal und schauen wer Recht hatte. 

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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