Best Coast – Always Tomorrow

Best Coast haben sich noch immer zu sehr in der kalifornischen Surf-Pop-Sonne gegerbt, machen auf ihrem fünften Album aber doch eher aus den Widrigkeiten des Lebens eine Tugend, als einfach über sie hinweg zu steigen.

Fünf Jahre nach „California Nights“ und zwei nach ihrer Kinderplatte „Best Kids“ ist „Always Tomorrow“ das Album nach dem Durchhänger geworden. Das Wiederaufbäumen nach der schwierigen Phase, in der sich Fronfrau Bethany Cosentino kreativ gelähmt fühlte und keine Musik mehr zu Papier brachte.

„I used to drink nothing but water and whisky/ Now I think those where the reasons why I used to fall deep down in a hole“, rekapituliert sie die Frustrationen über ihre unproduktive Zeit in “Everything Changed”. Eine straight rockende Midtempo-Nummer, bei der Bobb Bruno die Gitarren zwischen The Subways und The Joy Formidable ansiedelt.

In diese Kerbe schlägt ähnlich erfrischend auch „Graceless Kids“. Man sollte das vielleicht nicht schreiben, aber mit diesen Songs wären Best Coast vor 30 Jahren wahrscheinlich mit Belinda Carlisle auf Tour geschickt worden.

Dass nicht immer „Heaven Is A Place On Earth“ gilt, weiß Cosentino selbst nur zu gut. Auch wenn man mit „Always Tomorrow“ einmal mehr den Eindruck gewinnt, sie würde dem Herzschmerz und dem Kreislauf aus Aufbau und Zerstörung regelrecht nachspüren.

Im gesetzteren und mit fernöstlichem Einschlag durchdrungen „For The First Time“ kann sie sich mit ihrer tragenden Stimme, die Best Coast immer oben hält, voll austoben. Ihre hausgemachten Beziehungsprobleme werden wichtiger als der Indie-Rock darunter:

„I used to think that I would die without you/ No offense to you but I’m doing fine too/ Cause finally I’m free/ I feel like myself again”

Trotz einiger purpertär anmutender Beziehungskisten, ist es vor allem Best Coast’s Händchen, die unbedingte Verweigerung erwachsen zu werden in griffige, eingängige Songs zu überführen, die den süffigen Surf-Pop am Ende weniger stark abnutzen, als es ein fünftes Album ohne Strukturwandel für gewöhnlich hergeben würden.

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