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Empathie, Vergebung und Liebe – Basia Bulat im Interview

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Die Suche nach dem Sinn für das Schöne, innere Herausforderungen und die Konfrontation mit eigenen Urängsten: Für ihr fünftes Studioalbum „Are You In Love?“ hat sich Basia Bulat inhaltlich mit ganz besonderen Themen auseinandergesetzt. Auch auf der musikalischen Ebene gibt es im Frühjahr 2020 viel Neues zu entdecken. Nach elektronischer Opulenz („Good Advice„) geht es diesmal primär um intime Melancholie. Wir trafen die kanadische Songwriterin und dreimalige Finalistin des Polaris Music Prize zum Interview und sprachen über Liebe, Liebe und noch mehr Liebe.

MusikBlog: Basia, auf der Suche nach dem passenden Albumtitel schlagen sich viele Künstler endlos viele Nächte um die Ohren. Du hingegen greifst stets einfach nur in die Tracklist-Kiste. Wieviel Methode steckt dahinter?

Basia Bulat: (lacht) Ja, in der Tat, ich halte es gelegentlich ganz gerne mit der Tradition. Diesmal war es aber so, dass es auch thematisch perfekt passte. So ziemlich alle Songs des Albums beschäftigen sich mit Fragen rund um das Thema Liebe. Da bietet sich dann ein Titel wie „Are You In Love?“ natürlich automatisch für mehr an.

MusikBlog: Welche Fragen lagen dir besonders am Herzen?

Basia Bulat: Es gibt so viele verschiedene Formen der Liebe. Und jeder Mensch nimmt diese Formen anders wahr. Die Liebe ist ein unendlich großes Themenfeld.

MusikBlog: Es geht dir nicht immer nur um die Liebe unter dem Deckel einer Partnerschaft?

Basia Bulat: Das meine ich, wenn ich sage, die Liebe ist ein unendlich großes Themenfeld. Natürlich ist die Liebe der Motor einer jeden Partnerschaft. Aber es geht mir auch um andere Formen. Es geht mir um Empathie, Mitleid und tagtägliche Herausforderungen im Umgang mit der Liebe.

MusikBlog: Wie oft bist du beim Schreiben der neuen Songs an emotionale Grenzen gestoßen?

Basia Bulat: Das passiert mir eigentlich ständig. All die Fragen und die Unklarheiten haben natürlich auch mit mir selbst und meinem Verständnis von Liebe zu tun. Da reißen dann ganz automatisch alte Wunden auf. Und es entstehen manchmal auch neue Wunden. Das passiert einfach. Für mich waren viele Themenströmungen sehr schwierig, aber irgendwie auch sehr heilsam. Ich habe mich mit einigen Gefühlen auseinandergesetzt, mit denen ich schon mein ganzes Leben zu kämpfen habe. Und diese Auseinandersetzung hinterlässt natürlich Spuren, ganz klar.

MusikBlog: Welche Themen haben dich besonders stark aufgewühlt?

Basia Bulat: Ich glaube, dass mich das Thema Vergebung am stärksten herausgefordert hat. Ich weiß nicht, aber für mich und mein Empfinden ist ehrliche Vergebung schon so etwas wie eine Superkraft. (lacht) Das fällt vielen Menschen unheimlich schwer. Mir jedenfalls ist es immer sehr, sehr schwer gefallen zu vergeben. Und ich meine nicht nur, anderen Leuten zu vergeben. Vielmehr geht es um Selbstvergebung. Das ist ein Thema, über das ich nie wirklich richtig schreiben konnte.

MusikBlog: Wer oder was hat dir dabei geholfen, diese emotionalen Lücken zu schließen?

Basia Bulat: Ich denke, dass zwei Dinge ganz entscheiden waren. Zum Einen hatte ich mit Jim James (My Morning Jacket) einen Produzenten an meiner Seite, der genau weiß, wie ich musikalisch und emotional ticke. Das war schon bei den letzten Studioarbeiten ein unglaubliches Miteinander. Auch noch ganz wichtig war die Umgebung, in der das Album produziert und fertiggestellt wurde.

Wir waren diesmal in den Hi-Dez Studios in Joshua Tree. Das ist ein Ort der Ruhe und der grenzenlosen Freiheit. Diese Atmosphäre, ich meine, die Wüste und das ganze Drumherum, das wurde alles von der Musik aufgesogen. Die Musik und die Umgebung sind irgendwie miteinander verschmolzen. Das alles hat mir zu einer unglaublichen Selbstsicherheit verholfen. Ich fühlte mich stark und fähig, all die Themen anzugehen, mit denen ich sonst Probleme hatte.

Ich erinnere mich noch, dass an bestimmten Tagen alle Studiotüren offen waren. Der staubige Wind fegte durch die Räume. Und man hörte überall die Vögel zwitschern. Das war eine unglaubliche Atmosphäre.

MusikBlog: Du hast gerade die Zusammenarbeit mit Jim James besonders herausgehoben. Was macht Jim zu einem besonderen Produzenten?

Basia Bulat: Er ist viel mehr als nur ein außergewöhnlicher Produzent. Er hat die Gabe, stets die richtige emotionale Balance zu finden. Er weiß immer genau, wie man mit einem Menschen in einer bestimmten Situation umgehen muss. Er hat dieses ganz bestimmte Fingerspitzengefühl. Ich war während dieser Albumreise mit so vielen verschiedenen Gefühlen beschäftigt. Ich steckte ganz tief in meiner eigenen Gefühlsgeschichte drin.

Dann habe ich mich neu verliebt. Kurz darauf verstarb mein Vater. Da waren Unmengen an Gefühlen und Emotionen vorhanden. Und Jim war immer der, der wusste, wie man all diese Höhen und Tiefen richtig ausbalanciert. Er hat einen tollen Humor. Und er kann super zuhören. Er ist einfach ein toller Mensch, der zudem noch richtig viel Ahnung vom Produzieren hat. (lacht)

MusikBlog: Wenn du deine Anfangstage mit dem Hier und Jetzt vergleichst: Welche Gedanken, Erinnerungen und Erkenntnisse schießen dir da durch den Kopf?

Basia Bulat: Ich bin einfach nur glücklich, dass ich heute hier bin und so eine aufregende und unfassbar inspirierende Reise antreten durfte. Und ich hoffe natürlich, dass die Reise noch viele Jahre weitergeht. Es ist schon ziemlich verrückt. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, in denen ich mit der Akustikgitarre auf der Schultreppe saß und von genau dieser Entwicklung geträumt habe.

Musik war schon immer ein großer Teil von mir. Ich habe früh angefangen, in Bands zu spielen. Dann habe ich irgendwann angefangen, meinen eigenen Weg zu gehen. Jetzt rede ich über mein fünftes Studioalbum und habe diese riesengroße Kiste voller Erinnerungen und Erfahrungen vor mir. Ich bin wirklich dankbar für all das.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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