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Car Seat Headrest (Credit Matador)

Car Seat Headrest – Making A Door Less Open

Echte Überraschungen erlebt man im Indie-Band-Kosmos eher selten. Aber was Will Toledo mit Car Seat Headrest auf „Making A Door Less Open“ veranstaltet, kann man getrost als solche bezeichnen.

Car Seat Headrest, nach einer ganzen Flut von Self-Released-Alben auf Bandcamp im Verlauf der Zehnerjahre, waren mit ihrem Labeldebüt „Teens Of Denial“ prädestiniert, eine Seattler Version der frühen Tocotronic zu sein, die ironischerweise selbst in ihren Anfangstagen mit ihrer Hamburger Schule eine intellektuellere Version aus Krach, Rebellion und Reflexion ihrer Vorbildbands aus der Grunge-Hauptstadt sein wollten.

Doch statt punkiger Schrammel-Riffs und den auf „Teens Of Denial“ so eingängigen wie schonungslosen und witzigen Songtexten, die sich im übrigen wiederum auf erstaunlich ähnlichem Level bewegten wie frühe Tocotronic-Hymnen à la „Gehen die Leute auf der Straße/Eigentlich absichtlich so langsam?/Wollen sie verhindern/Dass wir vorwärts kommen?“, erleben wir auf einem Album, dessen Titel der Stupidität des Bandnamens in Nichts nachsteht, eine kleine große Überraschung.

Will Toledo vermengt hier, und das äußerst erfolgreich und stilsicher, Musiken, die im Lo-Fi-Schrammel-Indie-Rock noch nie etwas verloren hatten. Toledo bekennt:

„The songs contain elements of EDM, hip hop, futurism, doo-wop, soul, and of course rock and roll. But underneath all these things I think these may be folk songs, because they can be played and sung in many different ways, and they’re about things that are important to a lot of people: anger with society, sickness, loneliness, love.“

Und das ist nicht zu viel getönt. Car Seat Headrest, zurzeit ein Quartett, im Grunde aber Toledos Kind, beweisen hier großes Pop-Gespür. Mit allerlei Beats und Synthies ausgestattet, reiten sie durch ihre Gitarrenriffs, als hätten sie noch nie etwas von Genre-Purismus gehört.

Nicht mehr die Garage ist das Klischeebild zu ihrer Musik, sondern ein vielfältiges Studioensemble. Was für eine überaus überraschende Weiterentwicklung einer talentierten Band, die stark den Eindruck erweckte, strenggläubig zu ihrem Ursprungsgenre zu stehen und mit ihm auch bereit zum Untergang gewesen zu sein.

Einen Sinn für große Melodien von Toledo erkennt man bereits auf „Teens Of Denial“, doch erst mit „Making A Door Less Open“ wird das Potenzial dieses Indie-Musikers vollends gewahr: The sky is the limit.

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