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Die Gesellschaft stößt zunehmend an ihre Grenzen – Ghostpoet im Interview

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Obaro Ejimiwe aka Ghostpoet veröffentlicht sein neues Album „I Grow Tired But Dare Not Fall Asleep“ zum perfekten Zeitpunkt. In Zeiten von Chaos, Angst und schwindender Hoffnung seziert der Londoner Sprachgesangskünstler das Hier und Jetzt – ganz ohne Narkose. Wir trafen Ghostpoet virtuell kurz vor der Veröffentlichung seines neuen Studiowerks zum Interview und sprachen über Hoffnung, Hunger und Kontrolle.

MusikBlog: Obaro, es vergeht kein Tag ohne neue Corona-Schlagzeilen. Wie gehen die Leute in England mit der Situation um?

Ghostpoet: Ich denke, das ist ganz unterschiedlich. Es gibt viele Menschen, die sich an die Richtlinien und Vorgaben halten. Viele Leute bleiben daheim und leben ihr Leben in Isolation. Es gibt aber auch Menschen, die ihr Leben einfach so weiterleben. Wenn du mich also fragst, ob wir hier bei uns in England Fortschritte machen, dann kann ich dir darauf gar keine genaue Antwort geben.

MusikBlog: Keiner weiß, wann das alles vorbei ist und die Welt wieder zurück zur Normalität findet. Aber wenn es dann soweit ist, denkst du, dass die Gesellschaft eine andere sein wird?

Ghostpoet: Ich hoffe einfach, dass wir uns daran erinnern, dass wir jeden Einzelnen in der Gesellschaft brauchen, ganz egal, um wen es geht. Nur so können wir als Gesellschaft funktionieren.

MusikBlog: Auf deinem neuen Album „I Grow Tired But Dare Not Fall Asleep“ zeichnest du ein düsteres Bild hinsichtlich der gesellschaftlichen Gefühlslage. Welche Last wiegt am schwersten?

Ghostpoet: Das ist schwierig. Mir geht es einfach um die Reflektion dieses Zustands. Die Leute fühlen sich überarbeitet und unterbezahlt. Sie sind müde und ausgelaugt. Die Gesellschaft stößt physisch und mental zunehmend an ihre Grenzen.

MusikBlog: Ist der Albumtitel mehr als die bloße Überschrift des großen Ganzen?

Ghostpoet: Ich denke, dass sich viele Leute genau so fühlen. Und ich denke, dass es unheimlich wichtig ist, dass man sich trotz der Ängste und Befürchtungen, die man hat, von dieser Müdigkeit nicht überrollen lässt. Wir dürfen negativen Kräften nicht zu viel Spielraum lassen.

MusikBlog: Gab es bezüglich der Albumthematik einen bestimmten Augenöffner? Oder war das eher ein Prozess?

Ghostpoet: Nach der Veröffentlichung meines letzten Albums („Dark Days + Canapés„) hatte ich irgendwie die Lust am Musikmachen verloren. Ich weiß nicht, die Luft war irgendwie raus. Ich hab mich dann mehr um andere Dinge gekümmert. Ich habe einen Laden aufgemacht, so eine Mixtur aus Radiostation, Bar und Coffee Shop. Da habe ich mich total reingestürzt. Und das lief auch super. Irgendwann kam der Hunger aber zurück und ich hatte wieder Lust Musik zu machen. Und mit der Musik kam natürlich auch das Schreiben von Texten wieder zurück.

MusikBlog: Woher kam dieser Bruch nach der Veröffentlichung deines letzten Albums?

Ghostpoet: Ich weiß nicht so genau. Ich hatte irgendwie einen leeren Kopf. Ich hatte das Gefühl, nichts mehr zu sagen zu haben. Ich meine, ich bin nicht der Typ, der einfach so Musik machen kann. Musik hat für mich viel mit Ausdruck und Persönlichkeit zu tun. Die Texte sind mir sehr wichtig. Damals war da aber nur eine Leere.

MusikBlog: Musikalisch schöpfst du auch diesmal wieder aus dem Vollen. Das Album lässt sich in puncto Genreschubladen nur sehr schwer einordnen. Wie wichtig ist dir diese künstlerische Offenheit?

Ghostpoet: Für mich ist diese Offenheit das Fundament. Ich habe mich auch auf den vorherigen Alben nie festgelegt. Ich sammle lieber verschiedene Einflüsse und kreiere daraus mein eigenes Schaffen. Diesmal war ich sogar noch etwas experimentierfreudiger, da ich das Album im Alleingang produziert habe. Ich hatte also die komplette Kontrolle. Es ging nur um mich und meine Gäste und meine Visionen, Ideen und Gedanken.

MusikBlog: Apropos Gäste: Du hast mit Art School Girlfriend,  Delilah Holiday, SaraSara und Katie Dove einige spannende Features mit auf dem Album. Wie kam es dazu?

Ghostpoet: Nun, ich habe auch in der Vergangenheit schon viel und gerne mit anderen Künstlern gearbeitet. Und ich möchte nicht nur instrumental, sondern auch gesanglich offen sein. Ich möchte nicht nur mit meiner Stimme arbeiten. Ich mag markante Frauenstimmen sehr. Die Künstlerinnen, die diesmal mit dabei sind, sind Musikerinnen, die ich allesamt kenne und bewundere.

MusikBlog: Wenn es um kreative Prozesse geht, stehen vor allem der Songwritingprozess und die Performance auf der Bühne im Vordergrund. Welchen Part magst du mehr?

Ghostpoet: Oh, ich liebe beide Prozesse. Wenn während des Schreibens plötzlich aus dem Nichts etwas Kreatives mit Tiefgang und Nachhaltigkeit entsteht, dann ist das schon ein ganz besonderer Moment für mich. Auf der Bühne habe ich dann die Möglichkeit, mich auf eine andere Art und Weise kreativ auszudrücken. Ich spüre dann den Einfluss eines jeden neuen Songs.

MusikBlog: Das Album ist jetzt fertig und wartet auf seine Hörer. Live hingegen stehst du vor einer Zeit der Ungewissheit. Wie sehen deine Pläne für die kommenden Wochen und Monate aus?

Ghostpoet: Nun, ich habe da überhaupt keinen Einfluss drauf. Die nächste Zeit wird viel Promo gemacht, ich werde Interviews führen und mit Leuten wie dir über das neue Album sprechen. Danach wird es darum gehen, herauszufinden, wie ich in diesen Zeiten meine Musik am besten auf den Weg in die Öffentlichkeit bringe. Ich bin da sehr gespannt, welcher Pfad letztlich der sein wird, auf dem ich wandle. Es gibt einige Möglichkeiten. Aber ich stresse mich da noch nicht mit allzu vielen Vorab-Gedanken. Wie gesagt, ich habe da null Kontrolle. Also lass ich die Dinge einfach auf mich zukommen.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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