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Laura Marling (Credit Justin Tyler Close)

Laura Marling – Song For Our Daughter

Während andere Major-Acts ihren Fans die kleinen Lichtblicke in der Quarantäne verwehren und Veröffentlichungen neuer Platten aus wirtschaftlichen Gründen auf einen späteren Zeitpunkt des Jahres verschieben, zieht Laura Marling eine weitaus logischere und löblichere Konsequenz:

Sie verlegt das Release-Datum von „Song For Our Daughter“ spontan nach vorne. Durch die Ungewissheit, die derzeit über unserer aller Zukunft schwebt, fühle sie sich verantwortlich, einen Beitrag im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu leisten und hoffe, dass sie mit ihrer Platte unterhalten und das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken könne.

Ihre Rechnung geht auf. Dass man sich „Song For Our Daughter“ mit seiner melancholischen Tiefgründigkeit prinzipiell besser in der schweren Augustsonne, die langsam aber sicher den Sommer verabschiedet, vorstellen kann als bei den lebensweckenden Frühlingsstrahlen, die gerade durch jedes Fenster dringen und die Wiesen in bunte Nektarquellen verwandelt, stört bei dieser großartigen Platte keinen.

Laura Marling liefert mit „Song For Our Daughter“ genau das, was man von ihr erwartet und was die 30-jährige Britin am besten kann: feinsinniges Singer/Songwritertum ohne große Ecken und Kanten.

Man hört dem Album die Bodenständigkeit an, denn zum ersten Mal in ihrer Karriere schreibt Marling nicht auf Tour, sondern aus ihrem mittlerweile gesettleten Londoner Leben. Dass sie in einer glücklichen, festen Beziehung verankert ist, schlägt sich auch auf ihr Songwriting nieder. Das lyrische Sezieren der Introspektion weicht mehr und mehr dem Storytelling.

Da wäre beispielsweise das folkige „Fortune“, das sich durch spärliche Streicher-Arrangements nie zu sehr aufbläht, in dem Laura Marling mit einigen Strophen ganz ohne Refrain eine berührende Geschichte über das Schicksal erzählt.

In „Hope We Meet Again“ glaubt man, nicht nur dank Zeilen wie „It is my right to wander / I might choose to stay“, dem weiblichen Bob Dylan zu begegnen. Vor allem Marlings ungewöhnlicher Gesang, der stetig zwischen einer Art tiefem Sprechen und lieblichen Melodien changiert, erinnert in seiner Vortragsweise an den Großmeister der Folk-Szene.

„Blow By Blow“ sticht als einzige Klavierballade heraus. Auch wenn man Ms. Marling typischerweise mit ihrer Gitarre assoziiert, stehen ihr auch die Tasten gut zu Gesicht.

Einer der schönsten Momente auf „Song For Our Daughter“ ist der letzte Song „For You“. Ein unaufgeregtes Schlaflied, bei dem Lauras Freund Gitarre spielt, die Background-Summer genau die richtige Dosis Beruhigung durchs Trommelfeld fließen lassen, und so selbst in dieser dunklen Zeit ein Lichtstrahl durch die Dichte der schlechten Nachrichten dringt.

Apropos Lichtstrahl: Wenn Künstler wie Laura Marling sich entgegen des Wirtschaftsgedanken und für das seelische Wohl der Menschen entscheiden, dann könnte doch genau das der entscheidende Hoffnungsschimmer sein, der den Glauben entfacht, dass man diese Krise doch noch zusammen meistern kann.

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