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Owen Pallett (Credit Yuula Benivolski)

Owen Pallett – Island

Insel. Die ersten Assoziationen der meisten damit dürfte zumindest bis vor ein paar Monaten Wörter wie Urlaub, Strand oder Romantik gewesen sein. Stattdessen fühlt man sich mittlerweile selbst wie eine Insel, die zu allem mindestens eineinhalb Meter Abstand hält und nur mit viel Vorsicht Brücken nach außen baut.

Mit dem Albumtitel „Island“ trifft Owen Pallett also mitten in den Zeitgeist. „Island“ taucht gewissermaßen wie eine nebelumhüllte Insel aus dem Nichts auf, denn statt großem Presserubel setzt der Kanadier auf den Überraschungseffekt und veröffentlicht sein aktuelles Album ohne Vorankündigungen früher als geplant.

Pallett forciert die Entschleunigung und lässt es auf „Island“ langsam angehen. Da man den Kanadier eigentlich vorrangig mit seiner Geige und einer Loop-Station kennt, mit der er unter dem Pseudonym Final Fantasy für furiose Live-Auftritte sorgte, überrascht das Intro von „Islands“ mit melancholischen Klavierklängen, die die Vorfreude als zurückhaltende Einstimmung steigert.

Bei „Transformers“ erklingt anschließend zum ersten Mal Palletts Stimme über unaufdringliches Gitarren-Picking. Zwischenzeitlich hat man bei den rhythmischen Überlagerungen das Gefühl, als würden die Finger davonlaufen wollen, weil sie sich nicht für ein Tempo entscheiden können.

Die unbeschwerte Singer/Songwriter-Ballade lässt nicht ansatzweise erahnen, was im restlichen Verlauf von „Island“ noch auf einen zukommt. Denn Owen Pallett hat erstmals im Laufe seiner Karriere keinen Gedanken an die Live-Umsetzung seiner Songs verschwendet – als hätte er Corona geahnt – und sich so das bislang größte Ensemble seiner Solo-Karriere in die Abbey Road Studios eingeladen: das London Contemporary Orchestra.

Mit diesem Hintergrundwissen überrascht es wenig, dass „Island“ sich trotz des reduzierten Anfangs in großen Teilen anhört wie Filmmusik. Die stetige Erweiterung des Sounds mit Fortschreiten des Albums erinnert an das fast vergessene Phänomen des Flashmobs – was mit wenigen Tönen beginnt, baut sich innerhalb eines vorgegebenen Rahmens zu einem regelrechten Spektakel auf.

Songs wie „A Bloody Morning“ oder „Lewis Gets Fucked Into Space” entfalten ausufernde cineastische Soundflächen, die an Hans Zimmer und seine Kollegen erinnern und das eigene Kopfkino ganz automatisch anschalten.

Und da Streaming-Konzerte sich im Laufe der Corona-Krise sowieso schon mehr oder weniger etabliert haben, lässt sich auch bei „Island“ sicher ein Weg finden, dieses opulente Klangkunstwerk auf die Bühne zu bringen.

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