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Albrecht Schrader (Credit Frederike Wetzels)

Albrecht Schrader – Diese eine Stelle

Die öffentliche Wahrnehmung eines Künstlers verknüpft sich oft mit TV-Schlüsselmomenten. Helmut Zerlett bleibt damit vordergründig als Bandleader der Harald-Schmidt-Show in Erinnerung und es fällt unten durch, dass seine übrigen Beiträge für die Musik-Welt Lexikon-Stärke besitzen.

Über dieses Medium prägte sich Albrecht Schrader bis 2019 als Vorsitzender vom Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld bei Jan Böhmermann im Zuschauer-Gedächtnis ein, dabei ist auch seine bereits vorgelegte Kreativ-Vita breit aufgestellt.

Nichtsdestotrotzdem“ war dabei zuletzt ein vielschichtiger Sammelband gehobenen Songwritings, der allerdings trotz seiner lyrisch-ironischen Gesellschaftsanalyse über ein Nischendasein nicht hinaus kam.

Mit dem neuen Album geht Albrecht Schrader in die Offensive. Schluss mit der Verschlüsselung der eigenen Herkunft, der gehobene familiäre Background zwischen „Elbchaussee“ und Blankenese wird proklamiert und mit ihm, dass Hamburger Talente nicht zwangsläufig auf St. Pauli sozialisiert werden müssen.

Im Grunde war dieses Outing nicht nötig. „Wir Sind Die Eliten“ war nie ein Privileg, welches der Hanseat für sich in Anspruch nahm, für seinen frühen urbanen Mini-Hit „Leben in der Großstadt“ galt vom alternativen Jugendzentrum bis in die schicke Lounge-Bar vor allem eines: Musik ist klassenlos.

Auf Dem Golfplatz“ malte vorab ein kokettes Sittengemälde davon, dass im vermeintlich falschen Pullunder mit richtigem Handicap die Inspiration für das Musiker-Dasein nicht zwangsläufig beim Flippern im Kiez-Club, sondern auch auf der Weitläufigkeit des Grüns zu finden ist.

Zehn wohltemperierte Arrangements bearbeitet „Diese Eine Stelle“, über die Albrecht Schrader seinen perlenden Pop ausgießt, mit schlageresquer Leichtigkeit im Rocko-Schamoni-Stil oder mit der hauseigenen Piano-Kunst Tagträumen einen poetisch-melodiösen Nährboden gibt.

Ehrlich, amüsant, selbstkritisch im Inhalt und mit sanften elektronischem Flair, Streichern, Bläsern und zartem Background-Gesang ausstaffiert, legen die Songs Finger in soziologische Wunden die sie wenige Zeilen später selbst verpflastern, ohne das „Was Denkst Du Über Mich“ dabei eine Rolle spielt.

„Die Zukunft Liegt Verborgen“ heißt es am Ende. „Diese Eine Stelle“ hilft vorerst beim Verorten der gegenwärtigen Weltsicht des Protagonisten.

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