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A.A. Williams (Credit Bella Union)

Diese Zutaten sollen alle atmen können – A.A. Williams im Interview

Die ganz großen Gefühle, der musikalischste Tiefgang, die ultimative Stimmungssymbiose aus Licht und Schatten: A.A. Williams vereint so ziemlich alles, was Freunden von Künstlern wie Chelsea Wolfe, Mogwai, Nick Cave und den Deftones lieb und teuer ist. Auf ihrem Debütalbum „Forever Blue“ zündet die Multiinstrumentalistin (Gitarre, Cello, Klavier) aus London ein wahres Feuerwerk der Emotionen. Wir trafen A.A. Williams zum Interview und sprachen mit ihr über die Deftones, das Geheimnis eines guten Coversongs und das Arbeiten im Vertrauen.

MusikBlog: Alex, viele Musiker lassen sich in Corona-Zeiten spannende Home-Projekte einfallen. Du hast in den letzten Wochen einige Cover-Wünsche erfüllt. Mir hat ja deine Deftones-Huldigung („Be Quiet And Drive“) besonders gut gefallen. Gibt es eine besondere Verbindung zur Band?

A.A. Williams: Oh, ich liebe die Deftones. Ich habe die Band das erste Mal live in London gesehen. Das war so um die Jahrtausendwende rum, zusammen mit Taproot und Linkin Park. Ich stand ganz vorne in der Halle, und es war einfach nur atemberaubend. Diese Energie, diese Stimmung, diese Dynamikwechsel: Das war eins der intensivsten Konzerte, das ich je miterleben durfte. Und es war auch die Zeit, in der ich anfing, mich intensiver mit härterer Musik auseinanderzusetzen.

MusikBlog: Neben besagtem Deftones-Song hast du in der Vergangenheit auch Lieder von Nine Inch Nails („Every Day Is Exactly The Same“), Radiohead („Creep“) und Nick Cave („Into Your Arms“) neu vertont. Was ist eigentlich herausfordernder? Einer eigenen musikalischen Idee bis zum Ende zu folgen oder Songs aus fremder Feder einen Neuanstrich zu verpassen?

A.A. Williams: Das ist eine sehr schwierige Frage. Bei einem Coversong besteht immer die Gefahr, dass es am Ende nur zu einer Karaoke-Version reicht. Das will aber natürlich niemand. Also muss man besonders vorsichtig und gewissenhaft zu Werke gehen. Man will ja nichts zerstören. Hinzu kommt, dass man stets mit dem Original-Vergleich konfrontiert wird. Das kann natürlich schnell auch mal nach hinten losgehen. Bei einem eigenen Song genießt man den Schutz der Unwissenheit. Niemand weiß Bescheid, man ist nur bei sich. Das kann aber oftmals auch sehr herausfordernd sein.

MusikBlog: Dieser Tage erscheint dein mit Spannung erwartetes Debütalbum „Forever Blue“. Du hast im vergangen Jahr bereits eine EP veröffentlicht und mit einer Kollaboration mit der japanischen Rockband Mono für Aufsehen gesorgt. War dieser Vorlauf wichtig für dich, um eine gewisse Erfahrung mit in die Produktion eines kompletten Albums mitzunehmen?

A.A. Williams: Natürlich war es irgendwie hilfreich, dass da schon ein kleines Fundament präsent war. Aber es war kein bewusster Entschluss. Mit meinem damaligen Label war die EP-Veröffentlichung einfach so abgesprochen.

MusikBlog: Ich habe ziemlich große Schwierigkeiten, für deinen Sound eine passende Schublade zu finden. Empfindest du das als Kompliment?

A.A. Willimas: Absolut. (lacht)

MusikBlog: Da sind deine sehr markante Stimme, wuchtige, zumeist erst spät einsetzende Drums und Gitarren, sowie eine düstere, bisweilen fast schon bedrohliche Atmosphäre. All das zusammen ergibt ein sehr besonderes, großes Ganzes. Was ist dir in punkto Sounds besonders wichtig?

A.A. Williams: Ich will immer, dass alles, was in einem Song Verwendung findet, auch hörbar und spürbar ist. Das ist mir in den ruhigen Passagen genauso wichtig wie in den lauten. Ich will nicht nur eine Dynamik kreieren, die am Ende in eine Wall of Sound mündet. Ich will, dass man auch im lautesten Part genau heraushört, was gespielt wird. Das Cello, das Klavier, der Gesang: Diese Zutaten sollen alle atmen können.

MusikBlog: Wer oder was inspiriert dich?

A.A. Williams: Da gibt es so viele Dinge, die Einfluss nehmen und als Inspiration für neue Songideen dienen. Wenn es um bestimmte Sounds, Genres und Bands geht, versuche ich aber immer, auf mich zu hören und mich nicht zu sehr von äußeren Klängen beeinflussen zu lassen. Das gelingt natürlich nicht immer. Während des Songwritings schalte ich meist bewusst ab. Sonst höre ich aber natürlich unheimlich viel Musik. Placebo, Radiohead, viel atmosphärische Alternative-Musik: Ich höre gern emotionale Musik mit Tiefe.

MusikBlog: Hast du aktuelle Favoriten?

A.A. Williams: Manchmal entdecke ich eine Platte für mich, die ich dann total abfeiere. Dann habe ich kurz das Gefühl, ich hätte etwas bahnbrechend Neues entdeckt. Kurz danach erzählt man mir aber oftmals, dass die Platte schon seit über zehn Jahren in den Läden steht. Ich bin also nicht so im Bilde, wenn es um aktuelle Trends, Namen und Hypes geht. Aber ich berausche mich gerne an schöner Musik, wenn sie mir in die Hände fällt.

MusikBlog: Auf dem Album finden sich die Gaststimmen von Johannes Persson und Fredrik Kihlberg (Cult Of Luna) sowie Tom Fleming (One True Pairing, Ex-Wild Beasts). Ebenfalls mit involviert war dein Ehemann Thomas. Macht es die Zusammenarbeit eigentlich leichter, wenn man sich gegenseitig in und auswendig kennt?

A.A. Williams: Ich denke, dass es wie in allen Bereichen des Lebens auch in der Musik darum geht, im Vertrauen zu sein. Es geht alles leichter von der Hand, wenn man sich wohl fühlt. Und man fühlt sich natürlich am wohlsten, wenn man Menschen um sich herum hat, die man kennt, und denen man vertraut. Mit meinem Mann kann ich mich wunderbar über alles austauschen, auch über Musik. Und ja, es ist definitiv leichter, mit jemandem zusammenzuarbeiten, den man richtig gut kennt, und dem man bedingungslos vertraut. Man kann sich dann total fallenlassen. Und das ist ein sehr wichtiger Punkt, wenn es um das Schaffen von Musik geht.

MusikBlog: Bis du deine neuen Songs vor Publikum präsentieren kannst wird wohl noch eine Weile vergehen. Wie sehen deine Pläne bis dahin aus?

A.A. Williams: Ich bin immer offen für kreative und spannende Ideen. Man wird sehen, wie sich die nächsten Wochen und Monate entwickeln. Hier bei uns in England sind wir von kulturellen Lockerungen noch weit entfernt. Man muss als Künstler also umdenken. Ich freue mich jetzt erstmal auf die Veröffentlichung und kann es kaum erwarten, ein physikalisches Exemplar meines Albums in den Händen zu halten. Danach wird es irgendwie weitergehen. Da bin ich mir ganz sicher.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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