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Friends Of Gas – Kein Wetter

„Ein künstlicher Himmel! Ein Waldbrand! Ein Waldbrand! Breitet sich aus“. So beginnt die neue Platte „Kein Wetter“ von Friends Of Gas. Ohne auch nur eine halbe Sekunde Zeit zur Akklimatisierung zu gönnen. Die Ausrufezeichen nicht gesungen. Jedoch mehr als präsent in Nina Walsers typisch gekrächztem Hauchen.

Wer FOG schon live gesehen hat, weiß nach den ersten Takten – ab jetzt gibt es kein Zurück mehr. Diese Platte wird ähnlich saugen und einen von der realen Welt entkoppeln wie ein Konzert.

Interessanterweise ändert sich der Tonfall schon im ersten Stück. Wie schon Anfang des Jahres im Molotow zu erahnen war, wird es sauberer. Prägnanter auf den Punkt.

So schiebt sich der zweite Track „Schrumpfen“ bedrückend träge, aber relativ klar nach vorne. Einzig die Stimme steigert die subtile Intensität. Diese Kombination erzeugt unheimlichen Sog:

„Und die Munition vermodert. Unter unseren Haaren. Und wir bleiben unbewaffnet. Ohne Schild und Schwert. Und wir bleiben unbewaffnet…“ so zieht sich der Track in ein betörend leises Ende.

„Blaiberg“ beginnt, den Druck zu erhöhen. Hauchen entwickelt sich punktuell zu Schreien. Der Teppich wird unklarer und lauter, aggressiver.

„Graue Luft“ schafft trotz aller unharmonischen Komponenten (und das Wetter ist wieder dabei) das erste Mal den Ruf nach der Tanzfläche. Die Feedbacks nehmen zu. Der Bass, seit Beginn der Platte die große Konstante, beginnt sich aufzubäumen.

„Stechpalmenwald“ schafft immerhin ein fast halbminütiges Intro ohne Bass. Dafür kommt die ganze Band dann mit umso mehr Wucht. Teppich, Druck, Noise, Feedbacks. „Unsere Liebe; ist; nur; ein; in; Hollywood; gezüchtetes; Monster“. Romantik können sie.

Im Gegensatz zum Debütalbum „Fatal Schwach“ wurde „Kein Wetter“ nicht live aufgenommen, sondern klassisch im Studio von Olaf O.P.A.L produziert. Am Anfang schlug sich das in einem Mehr an Klarheit nieder. Jetzt arbeiten sie den wunderschön betörenden Noise heraus, der sie zu einer der tiefgehendsten neuen Live-Bands der letzten Jahre macht.

„Abwasser“ und „Teilchen“ bieten etwas Erholung für Hartgesottene.

„Im Bad“ beginnt sogar schon fast bluesig, gemütlich gezogen. Kontinuierlich zerlegen sie sukzessive jede Sicherheit-bietende Harmonie in zerstörerischen Noise. Einzelne Feedbacks überlagern sich langsam, aber sicher zu einer wahren Rückkopplungs-Gewitter Front, die sich immer wieder selber mühsam unter Kontrolle zu bringen versucht.

Nicht besonders erfolgreich. Am Ende steht kein klarer Ton mehr neben dem anderen. Man sieht sie förmlich in Ekstase, Instrumente und Effekte malträtierend am Boden einer dreckigen, kleinen Bühne.

Das lässt sich nur noch toppen mit „Selber Keine“. Der nahezu endlose zehnminütige Abschlusstrack verbindet alles Bisherige und begleitet einen mit konstant rollendem Bass und der gewohnten Repetition auf den Punkt durch mehrere Hochs und Tiefs. Was die fünf (oder die Menschheit?) selber keine sind, bleibt dem geneigten Hörer selbst überlassen.

„Kein Wetter“ – was ist das? Schlechtes Wetter, gutes Wetter, belangloses Wetter? Kein Zustand, den es wirklich geben kann. Auf alle Fälle ist das Wetter dieser Platte durchwegs kalt und grau wie der Hamburger Himmel oder der Marmor auf ihrer EP „Carrara“ und dringt durch jede Kleidung hindurch wie ein fieser Herbststurm.

Warum werden die Münchner so gerne als Ausnahmeband bezeichnet? Weil sie eine sind.

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