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Peter Broderick (Credit Aoife Light)

Peter Broderick – Blackberry

Aus kreativen Kreisen hört man es immer wieder: „Ich finde es gar nicht so schlimm, nicht aus dem Haus gehen zu müssen.“ Unter Musikern finden sich viele, die sich mit Freuden freiwillig zu Hause einschließen und sich mit voller Hingabe auf ihre Kunst fokussieren.

Peter Broderick bildet da mit seinem Mammut-Output keine Ausnahme und verschanzte sich schon im Sommer vergangenen Jahres in seinem Schlafzimmer, um „Blackberry“ aufzunehmen.

Und weil Broderick sich noch nie gerne auf Genres festgelegt hat, schöpft er einfach sein eigenes: Experimental-Bedroom-Folk-Pop. So seltsam das zunächst klingt; in Sachen „Blackberry“ trifft es den Nagel auf den Kopf.

Es ist das erste Album seit fünf Jahren, auf dem der Multiinstrumentalist, den man unter anderem als früheres Tour-Mitglied von Efterklang oder aus allerlei Kollaborationen mit unter anderem Nils Frahm kennt, auch wieder gesanglich in Erscheinung tritt.

Koventionen hat Broderick schon immer ignoriert und so wundert es nicht, dass einige Songs auf „Blackberry“ nicht nur eigentümliche Titel tragen, sondern auch gerne mal deutlich jenseits der Fünf-Minuten-Marke liegen.

Allen voran „What’s Wrong With A Straight Up Love Song“, in dem Broderick in gut neun Minuten die Liebesgeschichte zwischen ihm und seiner Frau rezitiert. Anfänglich nur von Gewittersounds begleitet, wirkt Broderick wie ein mittelalterlicher Minnesänger, der das Herz seiner Angebeteten erst noch erobern muss.

Wirklich viel passiert danach in den neun Minuten nicht – ein bisschen Akustik-Gitarre, ein bisschen Glockenspiel und eben eine lange Liebeserklärung. Der Name hält also was er verspricht und berührt mit seiner Simplizität.

„Stop And Listen“ mutet mit seinem Bläser-Riff, Banjo und entspannten Snaps an wie ein Kinderlied und ist als Opener wenig bezeichnend für den Rest der Platte, denn wirklich vergleichbar sind die acht Songs auf „Blackberry“ nicht.

„What Happened To Your Heart“ verwandelt sich von schmalziger Engtanz-Nummer aus dem jazzigen Kellerclub zu Sprechgesangs-Passagen, bei denen man sich in ein Musical verirrt zu haben scheint, um kurze Zeit später von „Ode To Blackberry“ mitten in eine volkstümliche Zeremonie in den irischen Highlands katapultiert zu werden.

Trotz aller Vielfältigkeit geht der rote Faden auf „Blackberry“ dank Brodericks beruhigender Stimme nicht verloren. Wer die nötige Ruhe mitbringt, findet in „Blackberry“ den perfekten Soundtrack zur Entschleunigung.

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