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Jónsi (Credit Barnaby Roper)

Jonsi – Shiver

Eine neue Elektro-Experimental-Ambient-Drone aus dem hohen Norden kreist am Musikhimmel. Jón Þór Birgisson aka Jónsi platziert eine Dekade nach „Go“ sein zweites Solo-Album.

Wobei die Flugrichtung nur noch geographisch etwas mit der Herkunft vom Sigur-Rós-Frontmann zu tun hat, denn der lebt und arbeitet längst im sonnigen Los Angeles.

Dort ansässig ist auch der PC-Music-Vorstand und Produzent A.G. Cook, der schon Werke von Charli XCX veredelte, man traf sich, funkte auf einer Wellenlänge und für Jónsi öffnete sich eine neue Tür für seine Expansionspläne in die Möglichkeiten elektronischer Klangerzeugung.

Der Backkatalog von Sigur Rós, sein Debüt oder „Lost And Found“, die letzte mit Alex Somers veröffentlichte Platte – seichte Kost waren Werke unter Mitwirkung des Protagonisten nie, „Shiver“ macht keine Ausnahme.

Um „die Tiefen der menschlichen Erfahrung und unsere Verbindung zur natürlichen Welt“ soll es darauf gehen, Metaphysik, unter deren Last schon die erste Auskopplung „Exhale“ bedeutungsschwanger atmete und sich das Thema im weiteren Verlauf des Albums unter einem grenzenlosen akustischen Forschungsdrang weiter verdichtet.

Wo „Wildeye“ noch klingt, als hätten The Knife einen halbwegs geordneten Soundtrack zu „Nachts im Museum“ geschrieben, fliegen in „Kórall“  die Fetzen, jagt der Track durch Tonfragmente und eine Geräuschkulisse, die kaputtes Spielzeug als Ursache nicht ausschließt, wird die Stimme bis zur Unkenntlichkeit durch ein Effekt-Inferno gejagt

Der Multi-Künstler hat sich prominente Unterstützung eingeladen. 4AD-Legende Elizabeth Fraser verpasst der verschlingenden Liebe von „Cannibal“ eine melancholische Dream-Pop-Komponente, und das dissonante Chaos eingangs von „Salt Licorice“ wird mit Hilfe der Schwedin Robyn auf ein Club-taugliches Level transformiert.

Dem Isländer bei seinem Bestreben, „die Grenzen von Kunst und deren Erleben zu erweitern“, zu folgen, ist herausfordernd. Willkommen wie beruhigend daher, wenn via „Sumarið sem aldrei kom“ Schnittmengen zu seiner Band erkennbar werden, „Granade“ sich irgendwo in der Aura zwischen „Ágætis byrjun“, „Kveikur“ und „Tornado“ von der ersten eigenen Platte verortet.

Dem Ende zu entschwebt ein „Beautiful Boy“ durch die Lücke zwischen Raum und Zeit. Könnte Jónsi sein. Wir schweben mit.

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