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AnnenMayKantereit (Credit Martin Lamberty)

AnnenMayKantereit – 12

Da ist’s endlich. Die Uhren schlagen zwölf und AnnenMayKantereit bringen das Album zur Stunde heraus. Während der dunkle Winter vielen Sorgen bereitet und gute Neuigkeiten beinahe täglich zu verpuffen scheinen, veröffentlichte die Band heute Nacht überraschend eine neue Platte – eine, auf der es genau darum geht.

Die Gräue des Winters und die Gewissheit darüber, dass die nostalgische Hoffnung, am Ende dieses Jahres würde alles wieder so sein wie 2019, vergebens war, hört man auch bei „12“ raus.

Denn „12“ ist’s wirklich – das erste große deutsche Album, das sich inhaltlich genau der Stimmung verschreibt, die sich nicht nur in der Kulturbranche breitgemacht hat. Auf AMKs neuer Platte geht es um vieles, das aktuell nicht mehr ist und um die Ungewissheit darüber, wann es wiederkommt.

Wenn Henning May besingt, dass alles, was wir brauchen, in unserer Vergangenheit liegt, schwingt darin auch ein neues Bewusstsein darüber mit, was wir alles hatten und immer noch haben – was eben nur gerade ruhen muss.

Erkenntnisse über die Einsamkeit, die niemand genießt, aber doch irgendwie jeder teilt, schaffen einen neuen gemeinschaftlichen Geist, den AnnenMayKantereit auf „12“ zum Thema machen.

Klingt alles nicht euphorisch, nicht wie früher, aber eben so, als wäre die junge Band sich jetzt bewusst, dass es ein Früher gibt.

Bevor Konzerte nur in Neuseeland stattfanden und die kollektive Introspektive jede und jeden in einen mehr oder weniger starken Strom der Gedanken an die eigene Vergangeheit verwickelt hat, ging alles ziemlich schnell.

AnnenMayKantereit gibt es jetzt seit knapp neun Jahren, auf „Vergangenheit“ wirkt der Werdegang wie eine atemlose Reise von Höhepunkt zu Höhepunkt. Die Musik der Band aus Köln klingt wieder roher, leiser, aber deswegen auch so viel intensiver.

Es geht auf „12“ nämlich eben nicht nur darum, sich in der Zeit der zurückgezogenen Solidarität selbst zu erkunden, sondern auch um all die Dinge, die nach dem Virus niemanden mehr interessieren.

Es geht um Flüchtlinge in Moria und den Anschlag in Hanau, in „Die letzte Ballade“ sogar um ganz düstere Aussichten auf Zeiten, in denen wieder Bücher verbrannt werden – vermutlich in Anspielung auf gegenwärtige Zeiten, in denen Tausende im verirrten Glauben, für Grundrechte einzustehen, nebst Reichsflagge marschieren.

„12“ ist ein politisches Album, das den Zeitgeist einfängt. Es fängt Momente ein, in denen die Band sich selbst ermahnt, entblößt und hinterfragt. „12“ fordert Aufmerksamkeit, für sich selbst und alles, was grad passiert.

Früher fühlt sich vielleicht an wie ein langer Abschnitt vor dem Einschnitt, aber es ist nur der Weg, der hierhin geführt hat. „Gegenwartsbewältigung“, „Zukunft“ und „Vergangenheit“ verschmelzen zu einem Brei – AnnenMayKantereit reden darüber und machen vielleicht den ersten wichtigen Schritt.

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