Grandbrothers – All The Unknown

Zeiten, in denen Konzerte höchstens noch in virtuellen Räumen und Neuseeland stattfinden und teilweise schon zum dritten Mal verschoben werden, lassen die Sehnsucht auf einzigartige, innovative und beeindruckende Live-Erlebnisse sowieso schon um ein Vielfaches anwachsen.

Grandbrothers sorgen mit “All The Unknown” einerseits für ein kleines Trostpflaster, indem sie ihre Piano-Elektro-Konstruktion in Albumform erlebbar machen, andererseits wächst die Lust darauf, das Ganze auf einer Bühne zu sehen, nach mehrmaligem Hören des dritten Albums des multinationalen Ensembles beinahe ins Unermessliche. Was tun also?

Man könnte sich daran erfreuen, dass Grandbrothers auf “All The Unknown” das Klavier immer mehr zum Teil eines großen Ganzen werden lassen. Dann geht es auf in atmosphärischer Spannung und teilweise wirklich düsteren und zwielichtigen Beats.

Es wirkt ein bisschen so, als würde man selbst das Klavier dabei begleiten, wie es durch die unterschiedlichsten Klangwelten entführt und manövriert wird. Mittendrin kommt “The Goat Paradox” dann wie ein Befreiungsschlag daher:

Der Hauptprotagonist rückt kurz in den Vordergrund, nur um nach einem intensiven Zwischenspiel wieder in einem vielfältigeren Umfeld einzutauchen. Einen kleinen Bruch markiert “The Goat Paradox” trotzdem.

“Four Rivers”, das direkt danach auf der Tracklist auftaucht, wirkt geordneter, naturalistischer und eher so, wie es das Cover vermuten lassen würde.

Auf die ambivalente und subtil bedrohliche erste Hälfte folgt dann eher eine kinematographische, harmonische Zweite. “Auberge” und “Shorelines” klingen wie unterschiedliche Jahreszeiten, wahrgenommen aus der Vogelperspektive, von einem unbeteiligten Wanderlustigen.

Was tun also? “All The Unknown” gibt darauf keine konkrete Antwort, sondern eine vage. Vielleicht sieht das Unbekannte, aus der Ferne betrachtet, doch ganz vertraut aus.

Die Zweiteilung des Albums lässt diesen Perspektivwechsel zwar einfacher erscheinen, als er vielleicht ist, “All The Unknown” bleibt aber trotzdem das beeindruckende Drittwerk einer Gruppe, die sich mit dem Gewöhnlichen nicht zufrieden gibt.

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