Gebrochene Herzen sind so abstrakt wie allgegenwärtig. Jeder kennt den Schmerz nach einer Trennung und doch fällt es den meisten schwer, in Worte zu fassen, warum und was genau in diesen Momenten so unerträglich weh tut.

Für Künstler hingegen scheinen sie manchmal ein richtiger Segen. Nicht von ungefähr kommt die These in Joey Goebels furiosem Roman „Vincent“, dass ein Kreativschaffender konstant von einer angemessenen Menge Unheil umgeben sein muss und nie zu glücklich sein sollte, wenn man Kunst auf höchstem Niveau als Output erwartet.

Eine These, die vielleicht auch Passenger unterschreiben würde, denn mit „Let Her Go“ – ein Song über das Ende einer Beziehung – katapultierte der Brite sich vor mittlerweile knapp acht Jahren nicht nur an die Spitze der Charts, sondern auch in die Heavy Rotation der meisten Mainstream-Radiosenders und avancierte mit seiner näselnden Stimme zwar nicht zum nächsten Bob Dylan, aber doch zum Ohrwurm-Teufel, der so schnell nicht loszuwerden ist.

Zynisch könnte man behaupten, dass seitdem nicht viel passiert ist. Und das, obwohl Passenger fleißig versuchte, an seinen Erfolg anzuknüpfen und Album nach Album auf den Markt gebracht hat. Ob er einfach zu glücklich war?

Sollte das der Fall gewesen sein, dann verrät sowohl das Cover – ein trauriger Clown mit einer Flasche Alkoholischem in der Hand – und der Albumtitel „Songs For The Drunk And Broken Hearted”, dass sich das geändert haben dürfte. Richtig: Die meisten Songs für sein neues Album schrieb Passenger, nachdem seine letzte Beziehung zerbrach.

Den Wunsch, den Schmerz in Alkohol zu ertränken, kennen auch die meisten. Inklusive der doppelten Schlagkraft des Katers am nächsten Tag. Man merkt: Passengers neues Album bietet genügend Raum zur Identifikation.

Und trotzdem schafft es keiner der zehn Songs, in der breiten Masse herauszustechen und wirklich zu berühren. Zu banal die Texte und Titel, zu einschmeichelnd die Instrumentierung. Passenger ertränkt seinen Hörer in einer wohligen Mixtur aus Folk, Singer/Songwritertum und seinem so charakteristischen Timbre:

Ein kleines Gitarrenriff hier, ein bisschen Banjo da, und natürlich dürfen auch Klavier und der ein oder andere Streicherklang nicht fehlen.

Das alles sind Zutaten, die man von Passenger kennt und als Hintergrundmusik für den nächsten Cafébesuch wunderbar funktionieren. Für die großen Gefühle greift man dann aber doch lieber wieder zu „Let Her Go” – oder eben gleich zu Damien Rice.

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