Lost Horizons – In Quiet Moments

Lost Horizons ist ein relativ neuer Name für zwei Männer, die unabhängig voneinander und miteinander schon seit vielen Jahren musizieren. Mit ihrem Debüt „Ojalá“  aus dem Jahr 2017 bahnte sich diese musikalische Freundschaft ihren Weg an die Öffentlichkeit. Winterliche Klänge und Melancholie zeichneten dort den Sound des Duos, das außerdem auf eine illustre Runde an Feature-Gästen zurückgreifen konnte.

Wie der Titel des Albums schon vermuten lässt – viel geändert hat sich daran nichts. Auch auf “In Quiet Moments” darf sich Simon Raymonde, der ehemalige Bassist der Cocteau Twins, voll austoben.

Obwohl austoben in diesem Fall möglicherweise das falsche Wort ist. Das Höchste der Gefühle ist für den berufsmäßigen Sanguiniker nämlich eher eine atmosphärische Basslinie, die den dunstigen Horizont und die endlose Dämmerung vertont.

In “I Woke Up With An Open Heart” lässt sich das Duo aber trotz der melancholischen Grundstimmung auf einen subtilen Wandel durch die Genres ein und lässt sogar Bläser durch den Probenraum-Filter steigen, der sich über das ganze Album legt.

Irgendwo hinter dieser gewollten Unschärfe blickt immer wieder Konkretes durch. Bowies “Heroes” und Shoegaze à la Ride haben ihre Spuren hinterlassen und machen aus der scheinbaren Gefühlslosigkeit einen Appell an die Selbstfindung, die Introspektive, die Ekstase in grenzenloser Hoffnung.

Melancholie und grenzenlose Hoffnung liegen auf “In Quiet Moments” nah beieinander, eine Aufbruchsstimmung, die das ganze Album wie eine Coming-Of-Age-Geschichte wirken lässt. Bemerkenswert ist, dass Richard Thomas und Simon Raymonde nach all den Jahren als aktive Musiker noch ein solches Gefühl heraufbeschwören können.

Ein zweites Album eines neuen Projekts richtet sich häufig nach vorn, festigt selbstbewusst den Stil einer Band und schlägt einen selbstreflektiven Ton an. Lost Horizons machen das scheinbar auch. Jedenfalls teilweise.

Ein großer Teil des Albums wirkt um einiges gesetzter, lebt den Blues in der Melancholie anstatt der jugendlichen Aufbruchsstimmung und verzichtet auf den Shoegaze oder überhaupt dominante Basslinien. Es wirkt eher so, als hätten sich einige sorglose Singles auf ein Album verirrt, das eigentlich für die ruhigen Momente gedacht ist.

Lost Horizons appelieren mit “In Quiet Moments” an die Melancholie in jedem Gefühl, in der Euphorie und der Trauer. Und bei der Erfahrung könnte das kaum authentischer sein.

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