Ihr Debüt als Regisseurin hatte sich Sia vermutlich etwas anders vorgestellt. Vor sechs Jahren kündigte sie auf dem Venice Film Festival erstmals ein Spielfilmprojekt an, seitdem dürften viele ziemlich gespannt darauf gewesen sein. Statt Vorfreude auf den Musical-Streifen waren die letzten Monate aber von Kontroversen geprägt, die in einen Shitstorm der Windstärke 12 ausarteten.

Und die dazugehörige Begleitplatte? Das Album, das vollständig “Music – Songs From And Inspired By The Motion Picture” heißt, will Sia nicht als bloßen Soundtrack verstanden wissen. Wie der leicht sperrige Titel nahelegt:

Einige Tracks wurden speziell für den Film geschrieben, andere sind von dessen Inhalt inspiriert worden. Insgesamt handele es sich laut eigener Aussage aber um eine normale Studio-LP von ihr.

Die Platte – der Objektivität halber – losgelöst vom Musical-Film zu betrachten, ist vielleicht gar nicht so verkehrt, nachdem dieser für so viel Aufruhr gesorgt hatte. In dessen Zentrum stehen zwei Halbschwestern:

Drogendealerin Zu, die plötzlich Verantwortung für die autistische Titelheldin Music (verkörpert durch Maddie Ziegler, die Sia-Fans aus diversen Musikvideos bekannt sein dürfte) übernehmen muss.

Sia wurde deshalb vorgeworfen, sich an der autistischen Community zu bereichern, ohne deren Mitarbeit und Meinung miteinzubeziehen, woraufhin diese auf Twitter heftig zurück pöbelte. Da kommt „Music“ glücklicherweise deutlich weniger kratzbürstig daher.

Kurz gesagt: Es sind 14 Tracks, die sich ohne große Überraschungen in das Gesamtwerk der Sängerin einfügen. Beherrscht wird das Album von dem, was die Australierin am besten kann und was sie berühmt und beliebt gemacht hat – ihrem Gespür für emotionale Pop-Hymnen, die vor Energie sprühen und ruhig auch mal ein bisschen weird sein dürfen.

Der Vorab-Track und Opener „Together“ kommt, wie die meisten Singles der Künstlerin, so knallbunt und eingängig daher, dass man ihn problemlos als legales stimmungsaufhellendes Mittel nutzen kann.

Am besten demonstriert Sia ihr Können aber auf „Eye To Eye“, einem absoluten Highlight der Platte.

Dazwischen finden sich auch immer wieder Stücke, auf denen die Pop-Ikone ruhigere, gefühlvolle Töne anschlägt, wie zum Beispiel „Music“ oder „Beautiful Things Can Happen“. Bei diesen muss man sich vor der unverwechselbaren, ausdrucksstarken Stimme der Australierin wieder einmal verneigen.

Und trotzdem: So ganz unter die Haut gehen will „Music“ dann doch nicht. Vielleicht liegt’s daran, dass Sia mit so viel inspirierenden Messages und poppiger Positivität insgesamt zu dick aufgetragen hat.

Ein paar Tracks, bei denen man aufgedreht auf den Autositz herumrutschen und mitgröhlen wird, sobald sie im Radio gespielt werden, serviert uns der Superstar aber auch auf diesem Album.

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