Adult Mom – Driver

Reisende soll man nicht aufhalten. Für Adult Mom gilt das erst Recht, denn mit ihrem dritten Album “Driver” gelingt es ihr, Melancholie, Fern- und Heimweh in eine einzige Autofahrt zu verpacken.

“Passenger” klingt direkt nach Country unterm wolkenfreien, blauen Himmel, am Abend zwischen der goldenen Stunde und der absoluten Dunkelheit. Adult Mom erzählt ihre Geschichten vom Beifahrersitz aus und schlägt dabei Töne an, die allgemeingültiger kaum sein könnten. Geschichten vom Vermissen und der Nostalgie stehen ganz oben auf der Liste, was zu den sanften Gitarrenkängen kaum besser passen könnte.

Der zweite Track “Wisconsin” markiert dann einen sehr frühen Wendepunkt im Album. Das Tempo nimmt zu und das bekannte Ensemble aus Drums und Gitarre klingt immer mehr nach Indie-Rock als nach Country. Zwei Genres, die sich beide der jugendlichen Melancholie von unterschiedlichen Seiten annähern, prallen auf “Driver” aufeinander und entstauben sich gegenseitig.

Einen großen Anteil an diesem musikalischen Frühjarsputz hat die ebenso wandelbare Stimme von Stevie Knipe, die sich für dieses Album mit einer ganzen Band ins Studio gewagt hat und nicht, wie noch auf den ersten beiden Alben, die Selbstverwirklichung im Solo-Projekt suchte.

Denn ihre Stimme bricht, unternimmt wilde Sprünge, die die vermeintliche Harmonie im Country karikieren. Es wirkt nicht perfekt, und das ist gewollt.

Es ist fast schon unverschämt, was für ein guter und gleichzeitig humorvoller Pop-Song sich mit “Breathing” in die eklektische Songsammlung auf “Driver” verirrt hat. Poetisch berichtet Stevie Knipe, die sich selbst als non-binär identifiziert, von Rechnungen, die sich in ihr Haus verirrt haben und vermutlich nicht bezahlt werden.

Adult Moms Vision nimmt mit ihrem dritten Album, sicher auch wegen der regen Beteiligung anderer Musiker, immer mehr Gestalt an. Wenn sie akustische Gitarren in ein perfektes Pop-Geflecht einwebt, erinnert das an Künstlerinnen wie SOAK, für die Genre-Grenzen nicht mehr sind als anachronistische Awardkategorien.

Die zweite Hälfte des Albums lässt, was alles bisher gesagte angeht, nicht nach. “Regret” zerreißt das Herz und “Frost” entlässt einen mit einer ehrlichen Erkenntnis. Adult Mom erkennt, dass sie mittlerweile vielleicht zu gut darin geworden ist, allein zu sein.

Nie zuvor hörte sich emotionale Selbstisolation so schön an.

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