In der Hip-Hop-Szene wurde er häufig belächelt: Cro, mit seiner albernen Pandamaske, dessen Gros der Fans nur mit Erziehungsberechtigten auf Konzerte dürfen. Ob ihn das je interessiert hat? Keine Ahnung.

Sicher ist hingegen, dass ihn spätestens mit „trip“ keinen Deut mehr schert, was von ihm erwartet wird. Denn auf seiner vierten Platte, die mit 22 Tracks ein ausgewachsenes Doppelalbum ist, huldigt Cro den letzten Dekaden der Musikgeschichte und packt Surf-Pop zwischen Hip-Hop, Auto-Tune und Psych-Rock. Das Verrückte daran? Es funktioniert.

Dabei zieht Cro klare Grenzen. Auf der „SOLO“-Hälfte macht er das, wofür die breite Masse ihn Lieben gelernt hat: Eingängige Songs, die irgendwo zwischen Rap, Soul und Funk zappeln und Samples und Loops mit einer Leichtigkeit miteinander verbinden, der man sich nicht entziehen kann.

Songs wie „Alles Dope“ oder „Good Vibes“ halten, was ihr Name verspricht und sorgen in grauen Pandemietagen für die nötigen Endorphine. Die textliche Banalität kann man getrost in Kauf nehmen.

Wäre auch irgendwie seltsam, wenn Cro in seinen Songs plötzlich Weltpolitik thematisieren würde. Und ehrlich gesagt, freut sich derzeit jeder über eine kleine Pause, bei der man die unfähigen Politiker und die nervenaufreibende Lage für ein paar Minuten auf stumm schalten kann.

Obwohl einem bei „Good Vibes“ dann trotzdem kurzzeitig die schlechten Nachrichten einholen: Als hätte Cro es geahnt, erinnert nicht nur die neue Maske auf dem Cover von „trip“ an Daft Punk, sondern auch die Samples in besagtem Song tragen einen ganz klaren Stempel.

Leider ist nicht alles auf „trip“ auch wirklich „dope“. Vor allem „Blessed“ – ein Feature mit Capital Bra – wirkt mit seiner Möchtegern-Gangster-Attitüde zwischen Vokabular wie „cash“, „fresh“, „flex“ und dumpfen Beat deutlich zu stumpf und wie bloßes Namedropping, um auch die jüngsten Kids, für die „Easy“ maximal ein Adjektiv ist, für sich zu gewinnen.

Von dieser Attitüde bleibt anschließend zum Glück nichts übrig. Man kommt um diesen Satz, so abgedroschen er wirkt, nicht herum: Cro nimmt uns auf der zweiten Hälfte von „trip“ mit auf eine Reise und zwar durch die letzten Dekaden der Musikgeschichte.

„Endless Summer“ sorgt mit entspanntem Lo-Fi-Funk für die nächste Hitzewelle und lässt einen nicht nur durch den gleichnamigen, legendären Surf-Film Mitte der 60er den nächsten Strandurlaub herbeisehnen.

An die Sechziger erinnert auch das mystische „Alice“ – wer hätte gedacht, dass man auch als deutscher Künstler klingen kann wie eine moderne Variante der Doors. Dazu noch ein paar unauffällige Zitate à la „Lucy in the sky“ gedropped und die Hommage ist perfekt.

Den einzigen Vorwurf, den man Cro machen kann, ist Banalität. Textlich mag das teilweise stimmen. Trotzdem schafft er es auf „trip“ wie kein anderer, verschiedene Genres auf einen überzeugenden, gemeinsamen Nenner zu bringen: sich selbst.

Und ist Banalität nicht vielleicht genau das, was sich nach einem Jahr Pandemie alle verdient haben? Auch wenn es nur für die Länge eines Doppelalbums ist.

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