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Ja, Panik – Die Gruppe

Eine Überraschung wäre es nicht gewesen, hätten Ja, Panik nach “Futur II”, ihrem Resümee zum 10. Jahrestag, die Bühne für immer verlassen, blieb diese Niederschrift den eigenen Fortbestand betreffend doch vage.

“…Platte produzieren, auf Tour gehen, kurz Pause machen und schon wieder an der nächsten Platte arbeiten. Künstlerisch und sozial hätten wir das nicht mehr lange ausgehalten” – ihr künstlerisch umtriebiger Sänger Andreas Spechtl benannte Gründe, die neben dem Zweifel über den Fortbestand als Formation zur langen Pause führte.

Verändert hat sich seit der letzten Veröffentlichung im Grunde nichts. Im Kernschatten des manifestierten Kapitalismus schiebt die Welt – wie es Die Goldenen Zitronen schon 2001 erkannten – „ihr Wägelchen ja doch weiter durch den Kalender“.

„What If“  fragt ein Song auf dem Album und was wäre wirklich, wenn die Gesellschaftsordnung mit einem Mehr von ihrem -„The cure to capitalism is more capitalism“-  wie das Stück „The Cure“ vorschlägt, aus dem Rennen genommen würde?

Da selbst eine Pandemie nicht in der Lage ist, die neoliberale Globalisierung zu bremsen, kann „Die Gruppe“ dies auch nur antizipieren, für alle zwischen Resignation und Aufbruch festsitzenden Freigeister Auswege ausloten und alternative Sichtweisen oder Utopien – „Life`s a dream On Livestream“ –  für eine scheinbar unumkehrbare Reise an das Ende aller Tage solidarischen Zusammenhalts anbieten.

In Eigenverantwortung für die Produktion des sechsten Albums haben die Band-Initiatoren Andreas Spechtl und Stefan Pabst zusammen mit Longtime-Member Sebastian Janata und der seit 2014 mit ihnen zusammenarbeitenden Laura Landergott den poppigen Tenor von „Libertatia“ in weiten Teilen abgeschafft.

Songstrukturen speisen sich aus sphärenhaften Fragmenten, zerfallen an manchen Stellen, um sich anderswo zur Melodie zu formieren. Wenn, dann treibt diese atmosphärisch dicht voran, dazu viele Nebengeräusche, Feedback, Rabea Erradis Gast-Saxophon und immer wieder der Chor, “Die Gruppe”, der die Gemeinschaft als Anker des Widerstands platziert.

Apokalypse Or Revolution“? Eine offene Frage, Ja, Panik lassen mehr als diese beiden Wahlmöglichkeiten zu.

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