Ja, Panik – On Livestream – Neues Video

Ja, Panik veröffentlichen am 30. April ihr neues Album “Die Gruppe” via Bureau B. Es ist ihr mittlerweile sechstes und folgt auf “Libertatia” von 2014, das laut MusikBlog-Review mit leichtfüßigen Kompositionen aufwartete:

“Synthesizer schwelgen in gefälligen Harmonien und scheuen nicht vor einem retrograd anmutenden Songeinstieg (“Alles Leer”) zurück, ein souliger Bass  schmeichelt sich ins Ohr. Die Stücke sind Pop-Songs geworden…”

Aber nicht nur zugänglicher waren die Songs geworden, sondern hatten auch an musikalischer Finesse und atmosphärischer Dichte gewonnen – insbesondere durch den melodischeren Einsatz von Keyboard und Bläsern. Dadurch wirkten sie persönlicher, obwohl unser Matthias die Platte damals als “Soundtrack zum zerbröselnden Europa” verstand.

Das kommende Album erzählt laut Waschzettel “Geschichten, die hängengeblieben [zu sein] scheinen zwischen Traum und Wachsein, vom Riss in der Welt, der plötzlich durch ein gecracktes Smartphone-Display aufplatzt, Fragmente vom Erlebnis der autobiografischen Digitalisierung, vom Wechsel zwischen den Welten, dem Übergang von einem erkenntnispraktischen Aggregatszustand zum anderen, dem Glitsch zwischen den gegeneinanderkantenden Dimensionen, inneren und äußeren Dämonen und, beinahe selbstverständlich bei Ja, Panik, vom Kapitalismus.”

Nachdem sich Ja, Panik in der Neujahrsnacht mit dem intensiven, sechs Minuten langen Song “Apocalypse Or Revolution” zurückmeldeten und im Februar “Backup” nachlegten , erschien gestern die dritte Single “On Livestream”.

Geschrieben wurde der Song von Andreas Spechtl im Frühling 2017 in einem Wohnzimmer in Teheran. Der Sänger sagt zu dem Titel:

“Es gibt für mich zwei Arten von Stücken: die, die ich schreibe, um sie loszuwerden. Um sie hinter mich zu bringen. Um mit ihnen abzuschließen. Die alles über mich erzählen. Und dann die anderen Stücke, die, die mich mehr brauchen als ich sie; die mich bitten, sie aufzuschreiben, die mir Rätsel sind, die zufällig und unklar aus mir raustreten. Die einfach da sind. Sie erzählen nichts von mir. Sie kennen mich schon nach wenigen Augenblicken nicht mehr.”

“On Livestream” gehört zu der letzteren Kategorie. Ein Song, der darum gebeten hatte, geschrieben zu werden. Die Zeile “Life’s a dream on livestream”, geschrieben 2017, ist sie in den aktuellen Zeiten der distanzierten Unterhaltung aktueller denn je.

Bandkollege Stefan Pabst war von dem Text zunächst wenig begeistert und fand sie zu hart. So wurde der Text erst im Zuge der Albumaufnahmen letztes Jahr wieder recycelt, als Andreas Spechtl nach einem Refrain für einen langen Spoken-Word-Text suchte. Er erinnert sich:

“Alles kreist sich um die sehr naturalistische Phrase, mein ramponiertes Aufnahme-Device betreffend: Schau mich an, ein Kratzer im screen. Eine Art Lullaby der Geräte, die wir alle sind. Die vom Shutdown träumen, vom force to quit. Von solitärer Solidarität. Von einer Welt, die das System ohne das device abschaffen kann. Ein Traum.”

Zu dem Song gibt es auch Video. Gedreht wurde es von Jessyca R. Hauser nach einem Konzept von Andreas Spechtl, assistiert von Keyboarderin Laura Landergott, die seit 2014 Mitglied der Gruppe ist. Passend zum Text, spielt es in sehr dunkler Atmosphäre und zeigt mehr oder weniger lethargisches Leben im Lockdown in der Band-Wohngemeinschaft.

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