Alle Fans von Deutsch-Pop jenseits des Mainstreams können sich nun wieder über ein neues Album von Mine freuen. Nach dem Vorgänger „Klebstoff“ hat die Musikerin ihr Können als Songwriterin und Producerin weiter entfaltet und beweist das auf „Hinüber“ mit aufwändig, teilweise orchestral arrangierten Beats, die aber gleichzeitig gut ins Ohr gehen.

Ihre ungewöhnliche Herangehensweise kann man eigentlich kaum noch in die Kategorie Deutsch-Pop einordnen. Mit diesem Mix aus elektronischen Hip-Hop-Beats, düsteren Orchesterklängen und mehrstimmigem, melodischem Gesang hat Mine inzwischen ihren eigenen, einzigartigen Sound entwickelt.

Gleich zu Beginn des Albums wird man, unterstützt von epischen Streichern und starker Stimme, mit den aktuellen Problemen der Erde konfrontiert: „Das Meer ist aus Plastik/ Der Hunger ist groß“. Der Titeltrack hat mit Sophie Hunger eines der wenigen Features auf der Platte.

Neben gesellschaftskritischen und existentialistischen Gedanken beschäftigt sich Mine auf „Hinüber“ auch wieder mit zwischenmenschlichen Angelegenheiten. So im fröhlich-melancholischen „Bitte bleib“, das mit „…nicht wie du bist“ weiter geht oder im sehr direkten „Mein Herz“.

Die atmosphärische Gestaltung der Songs ist dabei so mitreißend, dass man sich durch den dramatischen Aufbau der Klangwände, wie in „Lambadaimlimbo“, tatsächlich in einem Schwebezustand wiederfindet.

Mines viertes Studioalbum hat ein gutes Gleichgewicht zwischen ernsten, tiefgründigen Tracks und leichten, positiven. Zu letzteren gehören die funky Vorab-Single „Elefant“ und „Eiscreme“, das so klingt wie Eis schmeckt.

Mit „Audiot“ gibt es außerdem eine Hymne für alle Indie-Kids, die mit der Mainstream-Musik, die alle anderen mögen, nichts anfangen können: „Du magst Scheiße, doch es ist schon ok“ stellt Mine zusammen mit Dexter und Crack Ignaz verzweifelt fest.

Als Abschluss bildet das bereits erschienene „Unfall“ schließlich den Rahmen der Platte, denn auch hier setzt sich die Musikerin mit ökologischen und politischen Problemen auseinander und denkt über die eigenen Privilegien nach.

Mine gelingt es mit „Hinüber“ wieder, auf ihre ganz eigene Art und Weise ihre Vorliebe für Hip-Hop, die Faszination für philharmonische Arrangements und Mehrstimmigkeit mit ihrer Affinität für eingängigen Pop zu verbinden und so die Gefühle und Botschaften ihrer starken Texte zu transportieren.

Ihren Sonderstatus in der deutschen Pop-Landschaft hat sie damit erneut bewiesen.

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