Japanese Breakfast – Jubilee

Michelle Zauner war schon immer ziemlich umtriebig: Ihre ersten musikalischen Schritte machte sie mir der Pop-Truppe Post Post, anschließend war sie Sängerin der Emo-Band Little Big League, bis sie als Japanese Breakfast mit ihren beiden ersten Alben Indie-Liebhaber*innen bezauberte.

Inzwischen darf sie sich nicht nur Bestseller-Autorin nennen, sondern präsentiert uns jetzt auch ihr drittes Album „Jubilee“.

Auf den ersten beiden LPs „Psychopomp“ und „Soft Sounds From Another Planet“ sowie in ihrer kürzlich erschienenen Autobiografie „Crying In H Mart“ verarbeitete Zauner den Krebstod ihrer Mutter vor einigen Jahren. Kein leichter Tobak – umso schöner, dass Japanese Breakfast auf „Jubilee“ offensichtlich wieder Grund zur Freude hat.

Ihre Lo-Fi-Herangehensweise und die immer mitschwingende Traurigkeit hat sie abgelegt, dafür traut sich Zauner auf der neuen Platte ordentlich was: In vielen der Tracks findet sich eine Hommage an die 80er-Jahre und dabei schaffen sie es trotzdem, zeitgemäß zu klingen.

Auch dank der grandiosen Instrument-Arrangements und dem vielen Raum für mehrdimensionale Gefühle und Sounds.

„Kokomo, IN“ weckt nicht nur mit seinem Titel die Assoziation zu den Beach Boys, sondern auch mit seinen nostalgischen, sonnigen Vibes, „Slide Tackle“ ist ein grooviger Track, der sofort gute Laune macht.

Und in „Savage Good Boy“ beweist Japanese Breakfast, dass sie auch einen Perspektivwechsel beherrscht: Aus der Sichtweise eines Sugardaddys besingt sie den Wunsch, Reichtum zu horten und für eine Frau zu sorgen – inklusive quietschender Background-Vocals und einer Portion Zynismus.

Ganz ohne ein bisschen Wehmut geht’s dann aber doch nicht: Die Vorab-Single „Posing In Bondage“ zeigt Japanese Breakfast wieder von ihrer verletzlichen Seite, wenn sie ihre inständigen Bitten um Zuneigung ins Mikro haucht.

Bei „In Hell“ lässt sie ihre emotionale Stimme und die herzzerreißenden Lyrics „With my luck, you’ll be dead within the year / I’ve come to expect it“ mit einer eingängigen Melodie kontrastieren.

Das Album schließt mit „Posing For Cars“, einem Track, der noch einmal zeigt, was Zauner so drauf hat: Mit seinen gut sechseinhalb Minuten startet er als intime Ballade, um sich dann zu steigern und in einem minutenlangen Gitarrensolo zu münden. Ein Ende, das knallt.

Mit „Jubilee“ beschert uns Japanese Breakfast eine exzentrische, eklektische und experimentelle Pop-Platte. Jede Wette, dass man diese völlig zurecht in ein paar Monaten auf ziemlich vielen einschlägigen Endjahres-Listen finden wird.

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