Kings Of Convenience – Peace Or Love

Es muss eine schwere Geburt gewesen sein. Das macht einen nicht nur der Fakt glauben, dass seit dem letzten Kings-Of-Convenience-Album 12 Jahre vergangen sind. Wer dem norwegischen Duo aufmerksam folgt, dem dürften noch weitere Beweise vorliegen.

Denn vor knapp fünf Jahren kamen einige Fans in den Genuss einer der intimen Live-Shows der „Unrecorded Record“-Tour, bei der das Set ausschließlich aus noch ungehörten Songs bestand. Kings Of Convenience wollten laut eigener Aussage das Potenzial jeder einzelnen Nummer vor Publikum dem finalen Test unterziehen, bevor sie sie auf einem Album verewigen.

Eigentlich sollte es schon nach dem Ende dieser Tour ins Studio gehen. Aber dann sind irgendwie doch noch fast fünf Jahre ins Land gezogen, bevor „Peace Or Love“ das Licht der Welt erblickt.

Bei solch langer Funkstille vermutet man irgendwas Spektakuläres, ein Streit, der fast das Ende der Band bedeutet hätte, ein Schicksalsschlag, was auch immer. Aber nichts dergleichen.

Kings Of Convenience machen einfach nur ihrem Namen alle Ehre und agieren ganz nach dem Motto, den sich einst ein weiser Bär aus dem Dschungel auf die Fahne schrieb und von dem die meisten überarbeiteten Großstädter einen kleinen Reminder über dem Spiegel der Toilette gebrauchen könnten: „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“.

Denn Eirik Glambek Bøe und Erlend Øye haben sich einfach nur so viel Zeit genommen, wie sie für richtig hielten und sich von niemandem stressen lassen.

Und genau so klingt „Peace Or Love“ aus. Nach Entschleunigung. Nach angenehmer Unaufgeregtheit. Man kann bei diesem Duo nie so recht den Finger darauf legen, was genau diese Musik so besonders macht. Denn akustischen Folk-Pop mit Bossa-Nova-Anleihen machen auch andere. Aber eben nicht so gut.

Vielleicht sind es die beiden Stimmen von Bøe und Øye, die mit solcher Perfektion harmonieren, wie das zuletzt Simon & Garfunkel getan haben. Vielleicht sind es Momente wie in „Love Is A Lonely Thing“, bei dem Stammgast Leslie Feist das Gewand der Kings Of Convenience mit ihrer charakteristischen Stimme selbstverständlich weiterwebt, bis die drei gemeinsam den Beweis liefern, dass ein Highlight auch auf ganz leisen Sohlen daherschleichen kann:

„Once you know that magic / Who can live without it“.

Wahre Worte. Und eigentlich ist es auch egal, wo genau diese Magie herkommt, die die Kings Of Convenience mit ihrem Folk-Pop heraufbeschwören. Hauptsache sie hören nicht auf damit!

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