Stell dir vor, du landest auf einem Alien-Planeten – The Goon Sax im Interview

Seit gut einem halben Jahrzehnt tingeln die drei besten Freunde Riley Jones, Louis Forster und James Harrison nun schon unter dem Band-Banner The Goon Sax durch die Indie-Pop-Welt. Nach zwei durchaus aufsehenerregenden Longplayern (“Up To Anything”, “We’re Not Talking“) und einer knapp dreijährigen “Pause”, in der sich die drei Band-Mitglieder ihren ganz persönlichen musikalischen Vorlieben widmeten, präsentieren uns The Goon Sax dieser Tage ihr drittes Studioalbum “Mirror II“. Wir trafen uns mit dem Trio zum Interview und plauderten über spannende Sound-Transformationen, Aliens und das kleine Licht am Ende des “Live”-Tunnels.

MusikBlog: Seit knapp drei Jahre wartet eure Anhängerschaft nun schon geduldig auf den Nachfolger von “We’re Not Talking”. Nun habt ihr euer neues Album endlich am Start, mitten in einer Zeit, in der die Welt pandemiebedingt Kopf steht. Hätte man da nicht noch ein paar Monate Wartezeit ranhängen können?

Riley Jones: Nein, wir haben das Album schon länger in der Hinterhand. Es war jetzt wirklich an der Zeit.

Louis Forster: Ich denke auch, dass es eine ziemlich spannende Zeit für neue Veröffentlichungen ist. Ich beispielsweise beschäftige mich gerade viel intensiver mit Musik und neu erscheinenden Alben. Vielleicht geht es anderen Leuten ja auch so. Dann macht eine Albumveröffentlichung gerade jetzt sogar ziemlich viel Sinn.

Riley Jones: Wir haben vor kurzem in Brisbane unser erstes Konzert seit Monaten gespielt. Und die Stimmung war unheimlich intensiv. Wenn die Leute der Musik auf dem Album genauso begierig begegnen, dann ist es genau die richtige Zeit.

MusikBlog: Ihr habt euch während der vergangenen drei Jahre auch außerhalb der Band-Grenzen ausprobiert. Wann genau brach das gemeinschaftliche The-Goon-Sax-Feuer wieder aus?

James Harrison: Riley und ich, wir waren ja die ganze Zeit zusammen in Brisbane. Louis hingegen war eine Zeit lang in Berlin. Ich denke, als wir uns dann das erste Mal wieder im Proberaum begegnet sind, war klar, dass da jetzt was passieren wird.

Louis Forster: Ja, das war in der Tat so. Ich hatte irgendwie immer das Gefühl, das wir erst wieder loslegen, wenn wir auch wirklich etwas Neues zu sagen haben. Als ich dann aus Berlin zurück nach Brisbane kam, war da sofort wieder diese Anziehungskraft unter uns zu spüren. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich mit dem Song “Bathwater” ankam. Aus diesem kleinen Song wurde plötzlich eine abgefahrene 70s-Disco-Pop-Nummer, die ich so überhaupt nicht auf dem Schirm hatte. Aber Dank Riley und James hat diese Transformation funktioniert. Das war der Moment, in dem mir klar wurde, dass da noch mehr kommen muss.

MusikBlog: Hat diese ungeahnte Transformation auch bei anderen Songs stattgefunden?

Riley Jones: Wir haben diesmal generell versucht, uns mehr mit Stimmungen zu beschäftigen. Die Songs dienen dazu, diese Stimmungen zu transportieren.

Louis Forster: Stell dir vor, du landest auf einem Alien-Planeten. Dort sehen aber nicht alle Aliens gleich aus, verstehst du? Es gibt viele kleine und große Unterschiede. Und dennoch geht es um ein großes Ganzes. Auf dem Album geht es um bestimmte Themen, Ideen und den Raum, den es braucht, um daraus ein allumfassendes Gefühl entstehen zu lassen.

MusikBlog: Wurde dieser Prozess von bestimmten Einflüssen befeuert?

Louis Forster: Wir schreiben ja alle an den Songs mit. Und bei uns arbeitet keiner aus einem Vakuum heraus. Da ist immer irgendwo auch eine Inspiration vorhanden, keine Frage. Ich höre beispielsweise jedes Mal, bevor ich ins Studio gehe mindestens zwei Stunden Musik.

MusikBlog: Musik aus verschiedensten Richtungen?

Louis Forster: Ja, absolut. Ich bin da nicht festgefahren. Diesmal habe ich viel Hole und Courtney Love gehört. Dann kann ich mich aber auch an Tage erinnern, an denen ich von morgens bis abends die Musik von T. Rex verschlungen habe. Ich habe zeitweise sogar von Marc Bolan und seinen Glitzerhosen geträumt.

MusikBlog: Für den Songwriting-Prozess seid ihr gemeinsam in ein Haus gezogen, das ihr “Fantasy Planet” genannt habt. Wie sah denn so ein ganz normaler Tag im “Fantasy Planet” aus?

Riley Jones: (lacht) Ja, im “Fantasy Planet” war immer was los. James und Louis sind meist so gegen Mittag aufgestanden. Wir sind ja alle Nachtmenschen, die gerne und lieber im Dunkeln arbeiten. Dann kann ich mich auch noch an viel Zigarettenrauch erinnern. Louis war viel laufen. Das gehört zu seinen Ritualen dazu. Und dann habe ich immer irgendwann angefangen, alle einzufangen.

Ich habe dann oftmals einfach losgeschrien: Los, Beeilung! Wir kommen wieder zu spät zu den Proben! Das war schon ziemlich lustig. Geprobt haben wir in einem separaten Raum. Im “Fantasy Planet” haben wir quasi “gelebt”. Und manchmal saßen wir da mit unseren Instrumenten auf der Treppe und haben ein bisschen rumgespielt. Oftmals sind wir auch nachts durchs Haus gestolpert und haben uns gegenseitig von unseren neuen Ideen und Gedanken berichtet. Das fanden andere Mitbewohner des Hauses natürlich nicht immer ganz so cool.

MusikBlog: Von einem eigenen “Fantasy Planet” mit angrenzendem Proberaumareal wart ihr ihr vor fünf oder sechs Jahren noch ziemlich weit entfernt. Erinnert ihr euch noch an einen “Kickstarter”-Moment, der euch vor Augen führte, dass es mit dieser Band auch raus in die weite Welt gehen könnte?

Louis Forster: Das war, denke ich, für uns alle der Tag, als wir von unserem Label unter Vertrag genommen wurden. Wir hatten damals nur zwei Songs fertig. Wir hatten unser ganzes Geld zusammengekratzt, um die Songs halbwegs professionell aufnehmen zu können. Es ging da für uns aber mehr um die Aktion und den Schritt, als um den Gedanken, dass daraus wirklich etwas Großes entstehen könnte. Als dann aber das Label anbiss und uns fragte, ob wir nicht noch mehr Songs für eine EP hätten, wussten wir: Jetzt könnte es für uns richtig losgehen!

MusikBlog: Wann könnte es im Hier und Jetzt für euch wieder richtig losgehen? Das Album ist ja jetzt fertig. Seht ihr schon Licht am Ende des “Live”-Tunnels?

Riley Jones: Ja, wir sind sehr gespannt wie sich die nächsten Wochen und Monaten so entwickeln. In Europa wird gerade wieder viel gelockert. Und wir haben für September einige Shows in England gebucht, auf die wir uns schon sehr freuen. Wir sitzen alle schon sehr aufgeregt in den Startlöchern, und können jeden noch so kleinen Schritt zurück in Richtung Normalität kaum erwarten.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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