Steve Gunn – Other You

Für Steve Gunn bedeutet sein sechstes Album einen Wechsel im Ton, und das zeichnet ein optimistisches Bild für die Lebenssituation des Künstlers, der bekannt dafür ist, schonungslos mit sich selbst und seinen Abgründen umzugehen.

Die Schwermütigkeit, die aus gutem Grund auf seinem letzten Solo-Album “The Unseen In Between” den Ton angab, ist jedenfalls größtenteils verschwunden.

Steve Gunn gibt sich auf “Other You” immer noch als Pilgerreisender durch die eigene Gefühlswelt, nur lebt der “von Kontemplationen getriebene Nomade” mittlerweile von einer Zerstreuung, einer scheinbaren Zufriedenheit, die sicher auch Abbild der Situation im Studio ist.

Denn für die Aufnahmen zu “Other You” zog es Steve Gunn nach Los Angeles, für zwei ausführliche Sessions, die inmitten einer globalen Pandemie wie eine Pilgerreise für den New Yorker gewirkt haben dürften.

Ideale Gegebenheiten, um Lieder wie “Good Wind” und “Morning River” aufzunehmen, denen man eine gewisse Nähe zum maritimen Horizont durchaus anhören kann.

Überhaupt klingt “Other You” im Großen und Ganzen wie die Tageszeiten, in denen sich Tag und Nacht begegnen. Die Ruhe, die Gunns Gitarrenspiel und seine sanfte Stimme ausstrahlen, fühlt sich an, wie die frühen Morgenstunden, in denen der Blick in den Himmel die Stille selbst in die unruhigste Stadt transportiert.

Eine Tageszeit, in der man sich nicht sicher sein kann, ob man noch wach oder schon wach ist und die getrübte Wahrnehmung einen angenehmen Weichzeichner über alles und sogar die eigenen Empfindungen legt.

“On The Way” und “Circuit Rider” hingegen wirken wie Ideen, die zwischen New York und Los Angeles entstanden sein könnten. Auf der Straße und auf dem Weg. Die Lieder drücken all das aus, was im letzten Jahr jede*r empfunden haben dürfte, die das Gefühl hatten, nicht mehr auf dem Weg sein zu können.

Steve Gunn hat diese innere Barriere überwunden, genießt die rohe Existenz. Zum Glück macht er auch in diesem Zustand Musik.

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