Das walisische Power-Trio The Joy Formidable nimmt mit „Into The Blue” auf dem Weg ins Stadion nur noch Highways. Gerade raus, schwer rockend und infektiös. Der von Art-Pop durchdrungene Vorgänger „Aarth“ wirkt da im Rückspiegel heute fast wie eine versehentlich genommene Ausfahrt.

Die Band um die wirbelnde Sängerin und Gitarristin Ritzy Bryan ist dabei jederzeit zu clever, um sich dem Middle-Of-The-Rock anzubiedern, sowohl in ihren Arrangements, als auch in den Sounds. Und vor allem in ihren Melodien.

Hier schafft Ritzy Bryan das Kunststück, auch im 4/4-Takt so kantig zu bleiben, dass die Platte einiger Durchläufe bedarf, bis sich Hooks festsetzen. Das Alarmsignal zu Auftakt von „Sevier“ ist so eines, mit hohem Wiedererkennungswert, der Chorus von „Farrago“ sein Counterpart.

Mit der druckvollen Produktion im Rücken stehen The Joy Formidable außerdem Garbage, einer ihrer großen Einflüsse, so nahe wie nie. Man höre hier zum Vergleich “Gotta Feed My Dog”, das obendrein so manchem Biffy-Clyro-Riff das Wasser reicht.

Bryan singt nur eben nicht immer mit der Pistole auf der Brust, sondern verfügt etwa im Opener über die Melodiösität einer Mackenzie Ruth Scott, die als Torres auf ihrem aktuellen Album die Verbindung aus nostalgischer Heldenverehrung und Postmoderne formvollendet ausspielt.

Diese vergleichbare Entschlossenheit stapelt auf dem fünftem Album von The Joy Formidable, binnen zehn Jahren groß angelegten Alternative-Rock mit Shoegaze, der die Songs zielsicher und kniehoch über den Untergrund bläst. „Chimes“ ist einer dieser vorwärts treibenden Rockismen, mit herrlich schwebendem Chorus.

Vor diesem Hintergrund ist „Into The Blue“ auch ein Appell an das Open-Air Booking. Die Stadion-Ambitionen in allen Ehren – sie sind hier nicht Hürde, sondern Sprungbrett. Schließlich mangelt es ohnehin an Rockbands für die großen Bühnen, erst recht an welchen mit Frontfrauen. Mann muss sie nur einfach auch in diese Positionen buchen.

Facebook
Twitter

Schreibe einen Kommentar

Das könnte dir auch gefallen

Login