James Vincent McMorrow – Grapefruit Season

Wenn die Musik von Bon Iver zu anspruchsvoll erscheint oder Ed Sheerans Songs zu nah am Mainstream-Pop sind, entsteht eine gefühlte Lücke. Allerdings wird diese auch längst gefüllt:

Seit der Veröffentlichung des Debütalbums „Early In The Morning“ von James Vincent McMorrow wird der irische Songwriter immer wieder mit den beiden Künstlern verglichen. Mehr als zehn Jahre später passt dieser Vergleich noch immer. Auf seinem fünften Album „Grapefruit Season“ hält McMorrow nämlich weiterhin die Balance zwischen virtuosem Folk und Pop-Momenten.

Vor allem aber sind es die beschwingten Songs des Albums, die im Kopf bleiben. Schon der Opener „Paradise“ prescht mit (Kinder-)Chor, verzerrten Bass-Sounds und einem insgesamt tanzbarem Rhythmus voran. Ein fröhliches Stimmungsbild, welches von McMorrow sonst nur selten transportiert wird.

„Gone“ spielt mit R&B-Beats und weckt ebenfalls Sommerclub-Assoziationen.

„Planes In The Sky“ schlägt mit Sprechgesang, Zwischenrufen und dynamisch gezuckten Saiten hingegen voll in die Pop-Kerbe.

„Grapefruit Season“ ist leicht zugänglich und macht Spaß – James Vincent McMorrow gelingt es aber, diesen Zustand auch ganz schnell zu kippen. Und das überraschend souverän:

Während „True Love“ noch mit elektronischen Beats und Falsett à la Justin Vernon eher nach Pop-Ballade klingt, wird es in „Waiting“ direkt noch melancholischer. Die Instrumentalisierung ist auf Gitarren beschränkt, McMorrows Gesang kommt nur träge voran.

Ein Bruch, der während der ersten Stücke des Albums so noch gar nicht abzusehen war, aber mit Blick auf die bisherige Diskografie des Songwriters doch logisch erscheint.

Ab diesem Punkt steht wieder der melancholische James Vincent McMorrow im Vordergrund, der mal leidenschaftlich von einem Klavier begleitet wird („Cliché“) und mal dramatisch über einen dynamischen Beat säuselt („A House And A River“).

Dass die Stärke des irischen Sängers immer noch in den emotionalen Momenten liegt, dürfte damit klar sein. Seine unbeschwerte, poppige Seite ist allerdings mehr als erfrischend. „Grapefruit Season“ ist ein guter Kompromiss aus beidem.

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