Als „Wunschkind von Grunge und Folk“ an den Start gegangen, lieferten Wolf Alice über drei Alben hinweg einen Soundtrack für Liebe, Sehnsucht und Verortung, erwarb sich Ellie Rowsell mit ihren Texten Kernkompetenz rund um adoleszente Themen.

Spielend gelang es dem Quartett, Emotion und Rebellion in Melodien zu vereinen, glänzten auf „My Love Is Cool“ mit unbegrenzter Spielfreude, zerrten Licht und Schatten des Lebens auf „Visions Of A Life“ schon heftiger an den Ketten von Wort und Ton, mit einer Mehrung von akustischen Momenten setzte „Blue Weekend“ zuletzt die Zeichen auf Kurswechsel, „The Clearing“ geht den nächsten Schritt in Richtung neuer Ausdrucksmöglichkeiten.

Vorab war in der kraftvoll schillernden Revue „Bloom Baby Bloom“ und dem klavier-unterlegten, locker hängenden Blick auf Zurückliegendes per „The Sofa“ Klangtuning zu vernehmen, das sich auf der dritten Auskopplung fortsetzte: mit Drummer Joel Amey als Leadsänger und der Frontfrau im Background lebte in „White Horses“ beste Abbey-Road-Tradition.

Wolf Alice bündeln in 11 Songs den umfangreichen Input vergangener Musik-Dekaden. Mit den wirtschaftlichen Möglichkeiten von Columbia im Rücken produzierte Greg Kurstin – der schon der Musik von Weltstars von Adele, Beyoncé oder den Foo Fighters den letzten Schliff gab – komplexe Arrangements mit mehr oder weniger offensichtlichen, musikalischen Finessen.

Elegante Streicher lassen die Dramaturgie von „Thorns“ in James-Bond-Theme-Dimensionen wachsen, leichtfüßigen Pop pfeifen „Just Two Girls“ von den Dächern, auf dem „Passenger Seat“ liegen eingängige Gitarrenakkorde.

Zart klingelt sich das Glockenspiel durch die Ballade „Play It Out“, glam-rockt „Bread Butter Tea Sugar“ dynamisch nach vorn; dramatisch die Cello-Tupfer, die den „Midnight Song“ durch die folkige Nacht begleiten.

Im Schlussdrittel vom Country-Ausflug „Leaning Against The Wall“ findet sich eine leise Ahnung von dem Shoegaze, in den sich die Fans ihrer Frühwerke fallen lassen konnten, im durch-choreografierten Genre-Hopping von heute bleibt die Stimme von Ellie Rowsell mit ihrer Breitband-Euphonie verbindendes Element, mit der sich „Safe In This World“ Fühlen nicht schwer fällt.

Wolf Alice sind mit „The Clearing“ endgültig erwachsen geworden, der künstlerische Weg der Band ist sicher noch längst nicht zu Ende.

Schreibe einen Kommentar

Das könnte dir auch gefallen

Album

Bruce Springsteen – Tracks II: The Lost Albums

Album

Arcade Fire – Pink Elephant

Album

Manic Street Preachers – Critical Thinking

Login

Werde MusikBlog-Mitglied!

Werde MusikBlog-Fan-Mitglied und du kannst Alben als Favorit markieren und deine eigenen Jahres-Charts erstellen.

Erlaube Benachrichtigungen OK Nein, danke