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Wolf Alice – Visions Of A Life – Alice in Indieland

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Das Besondere an Wolf Alice? Außer dem Charisma vielleicht die Gabe, ihren Songs den richtigen Punch zwischen Melodie und Lärm mit auf den Weg zu geben.

Obwohl die vergangenen beiden Jahre nach Angaben der Protagonisten ihnen noch nie dagewesene Höhen und Tiefen bescherte, surfen sie immer noch auf der meterhohen Erfolgswelle von „My Love Is Cool“, was die Sache mit der schwierigen zweiten Platte ein wenig relativierte.

Sicherheitshalber weist der Einsteiger „Heavenward“, eine Hommage an einen verstorbenen Freund, dann auch wenig Reibungsverlust zum Vorgänger auf. Was hier in Ellie Rowsells Stimme liegt, ist jene berauschende Melancholie mit der sich einst 4AD Acts wie Lush im Ohr festsetzen.

Dann lässt das Quartett die Korken knallen. „Yuk Foo“ ist eine knallharte Nummer mit Riot Grrl Wut im Bauch, in der mit Obszönitäten nur so um sich geworfen und eine aufrührerische Johnny Rotten Attitüde ins Mikro gegiftet wird.

Wenn Wolf Alice im Indieland unterwegs sind, sammeln sie verlässlich alle Zutaten ein, die sie so unwiderstehlich zusammensetzen. Aus Post-Punk, Alternative-Rock, Shoegaze und eingängigem Pop werden hymnische Perlen voller Hit-Potential.

„Don’t Delete The Kisses“ oder „Space & Time“ sind eindeutig solche und werden zwar nicht unbedingt inhaltlich, aber auf jeden Fall musikalisch zu romantischen Momenten, in denen das Kratzbürstige in der Stimme der Sängerin zum emotionsgeladenen Flüstern wird, während „St.Purple & Green“ eher die kraftvoll-schwelgerische Variante davon bildet.

Der lyrischen Vielfalt sind auf dem Album wenig Grenzen gesetzt. Es gibt Freude-Ängste-Depressionen. Es wird dem „Sadboy“, der handelt, als ob er bereits tot ist, der Spiegel vorgehalten oder mit „Formidable Cool“ eine Anklage gegen sexuellen Missbrauch formuliert.

Nach dem eindringlich-minimalistischen „After The Zero Hour“ kommt es zum Schluss ganz dick. Mit fast acht Minuten Laufzeit liefert das Titelstück einen beinahe epischen Brocken Musik und brennt ein zwischen Ozzy Osbourne und Mudhoney verortetes Rock/Grunge-Feuerwerk ab.

Wolf Alice ist mit „Visions Of A Life“ erneut ein ganz großer Wurf gelungen.

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