Wolf Alice haben vorgestern ihre neue Single „White Horses“ veröffentlicht. Sie stammt von ihrem neuen Album „The Clearing“, das am 22. August via Columbia erscheint.

Irgendetwas klingt anders, ungewohnt, neu. Genau das ist der Punkt. Auf „White Horses“, einem der zentralen Stücke ihres vierten Studioalbums „The Clearing“, tritt Joel Amey, sonst Drummer der Band, erstmals als Leadsänger in Erscheinung. Nicht Frontfrau Ellie Rowsell, sondern der Mann hinter dem Schlagzeug übernimmt die Leadstimme und eröffnet damit ein bemerkenswert persönliches Kapitel im Klangkosmos von Wolf Alice.

Das Stück beginnt reduziert, fast tastend, bis sich die Dynamik zwischen Amey und Rowsell zu einem kraftvollen Duett verdichtet. Es ist mehr als nur ein Gesangsexperiment, es ist ein emotionaler Anker des Albums.

Die Wurzeln von „White Horses“ reichen zurück zu einem Moment auf der Autobahn: Joel Amey notierte sich Gedanken während einer Familienfahrt, die später zum lyrischen Fundament des Songs wurden. Es geht um Identität, Herkunft, Zugehörigkeit. Themen, die für Amey lange am Rand lagen, aber durch die Lebensgeschichte seiner Mutter und Tante, beide adoptiert, immer präsent waren.

„Mit zunehmendem Alter wuchs auch bei mir die Neugier auf meine Wurzeln“, erklärt er. Doch er betont ebenso: „Ich hatte meine Familie längst gewählt und das waren die Menschen um mich herum.“ Dieser Zwiespalt zieht sich durch den Song, musikalisch wie inhaltlich.

Klanglich bewegt sich „White Horses“ zwischen psychedelischer Dance-Energie und Vintage-Rock-Vibes der 1970er. Ein Sound, der exemplarisch für The Clearing steht.

Ellie Rowsell liefert eine ihrer expressivsten Gesangsleistungen ab und erinnert in manchen Momenten an die unvergessene Dolores O’Riordan von den Cranberries. Produziert wurde das Album in Los Angeles von Grammy-Gewinner Greg Kurstin, der dem Werk eine warme, zugleich kristallklare Tiefe verleiht.

„White Horses“ folgt auf die vorab veröffentlichten Singles „Bloom Baby Bloom“ und „The Sofa“. Letztere erschien unmittelbar nach dem gefeierten Glastonbury-Auftritt der Band, bei dem Wolf Alice eindrucksvoll ihre Wandlungsfähigkeit demonstrierten.

Mit „The Clearing“ präsentieren sich Wolf Alice gereifter denn je. Die Band, die mit „My Love Is Cool“, dem Mercury-Prize-Gewinner „Visions Of A Life“ und dem UK-Nummer-Eins-Album „Blue Weekend“ zu einer der spannendsten Formationen ihrer Generation wurde, findet hier zu einer neuen, selbstbewussten Klarheit.

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