Parquet Courts werden im Kern wohl immer dieselbe Band bleiben – egal, in welche Richtung sie ihre Melange aus supercoolem Post-Punk, 2000er Garage-Rock-Revival und Indie auch prügeln.

Waren die New Yorker auf dem 2016er Album “Human Performance” noch die verschrobenen, jedoch liebenswürdigen Slacker-Chaoten mit schleppenden Retro-Nummern direkt aus der Garage, bläute ihnen Danger Mouse 2018 als Produzent auf “Wide Awake” einige geglättete Kanten im Sound, einen Hauch Tanzbarkeit und sogar poppige Melodien ein.

Stichwort “Tanzbarkeit”: Die Tanzbein-Schwung-Bestandteile verdrängen auf “Sympathy For Life”, dem bereits siebten Album der Band aus Brooklyn, einen Großteil der punkigen Schrammel-Momente und sind der nun alles entscheidende Faktor geworden.

Parquet Courts pressen ihre kollektive Lust zum Hüftenschwingen, die sie nach eigenen Angaben in Corona-Vorzeiten noch ausgiebig zelebriert haben, in elf wuchtige Songs. Dafür lieferte “Wide Awake” gute Vorarbeit, denn laut der Band sei die Vorgängerplatte ideal, um bei wilden Abenden nebenher zu dudeln.

Statt einfacher Hintergrundkulisse will “Sympathy For Life” nun allerdings die Party selbst sein und wendet sich dafür allem zu, was dem Rock-Genre in den vergangenen 50 Jahren den Groove für die Tanzfläche eingetrieben hat.

Anwesend sind dafür etwa Duran Durans funkiger Dance-Pop, Indie-Disco von Franz Ferdinand und allen voran die Art-Rock-Legenden Talking Heads mit Frontmann David Byrne.

Dessen Präsenz zieht sich durch das gesamte Album und liefert “Sympathy For Life” verstrickte Beats mit Afro-Pop-Schlag, knarzige Gitarren-Duelle und beißende Bass-Grooves, die allesamt mit Synthesizer-Einsätzen gestützt werden.

Nein, glücklicherweise werden Parquet Courts damit nicht zu EDM-Pop-Sternchen mit dem möglicherweise finanziell motivierten Verlangen, alles auf eine Dance-Pop-Karte setzen.

Die äußerst dezent eingesetzten, elektronischen Melodien ergeben im Gesamtkontext der Tanzbarkeit völligen Sinn – die Band beweist nicht zum ersten Mal, dass sie genau weiß, was ihre Songs brauchen.

Dennoch lässt der Eindruck nicht los, dass die New Yorker mit ihrem neuen Party-Image nicht ganz ehrlich mit sich selbst und ihrem Publikum sind. Eine solch aufbrausende Energetik traf man bei der Band in der Vergangenheit selten an und die Tanzwut des Quartetts wirkt leicht verfälscht, da die Energie nicht immer wirkt wie ihre eigene.

Entwachsen Parquet Courts deshalb ihrem Slacker-Dasein doch noch? Keineswegs: Die neuen Dancefloor-Launen verbindet das Quartett trotz allem mit ihrem nach wie vor beständigen, drolligen und lässigen Indie-Rock-Kern.

Der wesentliche Unterschied zu früher: Nun feiern Parquet Courts in ihren Köpfen wilde Tanzabende mit David Byrne zu ihrer eigenen Musik.

 

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