Brian Fallon ist ein wahrlich vielseitiger Musiker. Seit vielen Jahren begeistert er die Musikwelt mit Punk Rock, Folk, Singer/Songwriter und Rock’n’Roll – und wird mit Musikern wie Bruce Springsteen oder Tom Petty verglichen.

Bei seiner Band The Gaslight Anthem gab es immer eine Regel: “Es gibt bei uns keine religiösen Lieder und es wird niemals welche geben. Wir vier haben alle unterschiedliche Ansichten und gehören komplett unterschiedlichen Religionen an.”, erzählte er in einem Interview mit dem US-Radiosender AOL.

Nun – knapp sechs Jahre nach der Auflösung von The Gaslight Anthem wirft Brian Fallon dieses Gesetz komplett über Bord und das ordentlich, denn pünktlich mit dem Beginn der kalten Jahreszeit kommt mit “Night Divine” ein Album heraus, bei dem viele Fans des Musikers aus New Jersey erst einmal tief durchatmen müssen.

Denn bei “Night Divine” handelt es sich nicht um einen folk-rock-lastigen Nachfolger des 2020 erschienenen Albums “Local Honey”, sondern um ein reines Weihnachtsalbum. Ja, richtig gehört! Brian Fallon veröffentlicht zehn Weihnachtslieder, die er auf seine eigene Weise interpretiert.

“Das waren die ersten Lieder, die ich je gehört und gelernt habe”, erinnert sich Brian Fallon. “Es sind die frühesten musikalischen Erinnerungen, die ich habe. Die Idee hat also schon lange in meinem Kopf herumgespukt. Selbst als ich Rock ‘n’ Roll machte, war das immer im Hintergrund.”

Als Fallon aufwuchs, gehörten Weihnachtslieder zu seinem Leben – seine Mutter sang viele dieser Lieder in der Kirche und spielte sie oft zu Hause auf einer Gitarre. In den letzten Jahren verinnerlichte Brian Fallon diese Songs immer mehr und nutzte die Zeit während des Lockdowns, um in seinen eigenen vier Wänden die zehn Stücke aufzunehmen.

Als Dank für diese Inspiration durfte Mama Fallon auf “Night Divine” auch mitwirken. So übernimmt sie zum Beispiel bei dem Song “Sweet Hour Of Prayer” den Hintergrundgesang und harmoniert perfekt mit ihrem Sohn.

Den Anfang auf “Night Divine” macht ein Song, der für die meisten eher unbekannt sein dürfte: “Virgin Mary Had One Son”. 1962 von The Staple Singers das erste Mal veröffentlicht, wurde dieser Gospel innerhalb kürzester Zeit in den USA so populär, dass selbst Urgesteine amerikanischer Folkmusik das Lied interpretierten.

Das erste große Highlight auf “Night Divine” findet man direkt beim nächsten Lied: “Amazing Grace”. Es ist die geistliche Hymne der USA. Unzählige Musiker und berühmte Personen – von Janis Joplin, Elvis Presley, Rod Stewart, Dropkick Murphys bis hin zu US-Präsident Barack Obama versuchten sich an “Amazing Grace”, erreichten und bewegten die Gedanken der Menschen.

Kein Wunder, denn das Lied saugte die Geschichte der USA in sich auf: geschrieben 1779 von John Newton, musikalisch interpretiert 1831, genoss “Amazing Grace” während des Amerikanischen Bürgerkrieges (1861 bis 1865) bei Nord- und Südstaaten große Popularität.

Den Cherokee gilt es sogar als inoffizielle Nationalhymne, haben sie doch während des berüchtigten “Pfades der Tränen” 1838 ihre Toten häufig aus Zeitmangel ohne große Zeremonie, sondern nur unter Absingen von “Amazing Grace” beerdigt.

Brian Fallon bietet mit seiner Version des Liedes ein ehrwürdige auf aufrichtige Version. Mit der leicht monotonen und einfühlsamen Klavierbegleitung, taucht Fallon “Amazing Grace” in eine nachdenkliche und gefühlvolle Grundstimmung.

Auch das nach Abschlussball klingende “O Holy Night”, “Nearer My Good To Thee” oder die Ballade “The First Noel” sind sofort im Ohr und berühren einen auf nachdenklich-weihnachtliche Art und Weise.

Das Ende von “Night Divine” bilden “” und “The Blessing”, bei dem auch wieder Fallons Mutter mitwirkt. Gerade letzteres bildet den perfekten Abschluss für dieses gelungene Weihnachtsalbum. Der Facettenreichtum und das Können Brian Fallons finden kein Ende.

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