Manche sind produktiv, Haiyti ist produktiver. Anfang des Jahres gab es mit “Mieses Leben” bereits ein 18 Tracks starkes Überraschungsalbum, auf dem die Ironie und Ernsthaftigkeit kaum noch auseinandergehalten werden konnten.

Auf “Speed Date” verspricht schon die Tracklist Ähnliches. Burberry, Jil Sander und Phillip Plein teilen sich den Platz mit Merlot und Money Boy. Klingt erstmal nach einer spaßigen Party mit fragwürdigem Modegeschmack, ist aber viel mehr.

Haiyti pendelt auch auf “Speed Date” irgendwo zwischen Kanye West und Money Boy, zwischen PC Music und deutscher Trapszene. Wo auf der einen Seite einzelne Hooks wirken wie die kalkulierten und verzerrten Pophymnen des Londoner Musikkollektivs, rangieren die Texte auf sehr unterschiedlichem Niveau, leben teilweise von absurden Adlibs, die von den naheliegendsten Assoziationen leben und selten lyrisch überraschen.

Ander sieht es dagegen bei Tracks wie “Philipp Plein (feat. Kid Trash)” aus. Dort verwebt Hayiti intelligent Markenfetischismus und echte Gefühle zu einer postmodernen Tragödie – wahrscheinlich. Denn wenn “Speed Date” etwas mit “Mieses Leben” gemein hat, dann, dass man zwischen Übersteuerung, Bubblegum-Trap-Beat und ordentlich Autotune kaum noch erkennen kann, welche scheinbar ironische Überhöhung auch so gemeint ist und wo sie sich nur zufällig aus dem assoziativen Dauerfeuer schält.

Die Themen auf “Speed Date” sind simpel, Liebe, Schmerz und Ekstase bauen sich auf über 20 Tracks zu einem scheinbar unendlichen Stream aus relatable content. “Speed Date” ist nicht nur Popmusik der Neuzeit, sondern der Schlager der Zukunft.

Der endlose Output an Ähnlichem irritiert viele sicher genau so sehr wie der 15. Song von Helene Fischer über bebende Herzen, auf Haiytis “Speed Date” findet sich diese kompromisslose Repetition auch im Sound wieder.

Alles Mögliche wird auf dem aktuellen Album der Rapperin auch realisiert, selbst wenn in einem einzigen zweiminütigen Song mehrere Konzepte verloren gehen, die ihre mögliche Brillanz immer nur andeuten können.

25 Tracks, vieles wird geschmissen, ein bisschen bleibt hängen – passt schon.

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