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Animal Collective – Time Skiffs

Noah Lennox, David Portner, Brian Weitz und Josh Dibb aka Panda Bear, Avey Tare, Geologist und Deakin knüpfen mit „Time Skiffs“ dort an, wo sie als Animal Collective 2007 via „Strawberry Jam“, später mit dessen Nachfolger „Merriweather Post Pavilion“, der Indiemusik-Welt neue Klanghorizonte eröffneten.

Ihre Tracks schienen dort auf einem Zauberwürfel komponiert, dessen Flächen erst nach ausgiebigem Drehen jene gemeinsame Klangfarbe erreichten, die in ihrem weiteren Werdegang etwas in der bandeigenen Esoterik verwässert.

Nach der „Painting With“-Ausgabe vor sechs Jahren ergaben sich für die Musiker andere gemeinsame Projekte, u.a. vertonten Dibb, Portner und Weitz 2018 mit „Tangerine Reef“ den Niedergang der ozeanischen Ökosysteme.

In dessen Folge wurde in Portners Privat-Keller gejammt, legte das Quartett dort den Grundstein für ihr 11. Album. Der „Highschool-Spirit“, den die Protagonisten laut Selbstauskunft dabei reanimierten, war im Vorfeld dem basslastigen „Prester John“ anzuhören, in dem zwei Stücke von Panda Bear und Avey Tare fusionierten.

Quirlig die poppige Zweitauskopplung „Walker“, eine Hommage an Scott Walker, hier konnte der Platte jene Zugänglichkeit attestiert werden, die das zugehörige Domino-Handout beschreibt, wenngleich „zugänglich“ in Verbindung mit der Musik der Band aus Baltimore weiterhin ein abstrakter Begriff bleibt.

Konkret dagegen die Themen, die „Time Skiffs“ beackert, ein Katalog von Pandemie bis Umweltzerstörung findet sich darauf, da scheint zum Auftakt der von einem Hauch fernöstlicher Weisheit umwehte „Dragon Slayer“ ein kompetenter Partner zu sein, mit dem man allen Sorgen begegnen kann.

Die „Car Keys“ finden sich zwischen den ratternden Leiterplatten von Moog, Eurorack und Hurdy Gurdy wieder, öffnet „Strung With Everything“ die Tür zu ihrem psychedelischen Klanglabor, in dem ein über mehrere Ebenen reichender Bauplan die Klöppelei diversen Schlagwerks, elektronische Erlösungsfantasien und melodische Loops mit Mehrstimmigkeit verbindet.

Das musikalische Leitmotiv von „Cherokee“ findet immer neue Ausdrucksformen, ist das Stück mit seinen siebeneinhalb Minuten ein Gravitationspunkt, um den „Passer-by“ und „We Go Back“ wie eine singende, klingende Rasselbande kreist, bevor „Royal And Desire“ die Platte auf einer melancholischen Umlaufbahn ausklingen lässt.

Animal Collectiv inszenieren sich mit “Time Skiffs” auf der Höhe der Zeit. Bei der Deutung ihres Treibens bleibt alles beim Alten: Entschlüsselung schwierig.

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