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Palace – Shoals

„Untiefe“, der deutsche Name für “Shoals”, ist ein Januswort. Der römische Gott Janus gilt mit seinen zwei in entgegengesetzte Richtung blickenden Gesichtern als Symbol für Widersprüchliches und so bezeichnet besagter Terminus sowohl seichte Gewässer als auch die mysteriöse Endlosigkeit der Tiefsee.

Palace zeigen sich auf „Shoals“ ungleich des Namens hingegen alles andere als zerrissen, sondern starten mit ihrem dritten Studioalbum eine harmonische Reise Richtung Schwerelosigkeit.

Dass der Ozean im Schaffen von Leo Wyndham eine Rolle spielt, verraten nicht nur Titel und Cover des Albums, das in traditionsträchtigen Blau- und Grüntönen in ein Stillleben auf dem Meeresgrund entführt, sondern auch Songtitel wie „Killer Whale“, „Salt“ oder „Where The Sky Becomes The Sea“.

Allein deswegen macht es Sinn, sich bei „Shoals“ auf den Meeresvergleich einzulassen, der passender nicht sein könnte. Denn tatsächlich gelingt es den Londonern mit breiten Soundteppichen einen organischen Sog zu entfalten, mit dem man sich wohlig treiben lassen kann.

Schon der Opener „Never Said It Was Easy“ versprüht mit seinem hallgetränkten Piano-Intro eine Prise Schwerelosigkeit, bevor die mehrstimmigen Gesangsharmonien diesem „strange life“ doch irgendwie einen Sinn zu geben scheinen.

Das angenehme an „Shoals“ ist seine Unaufgeregtheit. Große Refrains, forcierte Mitsingchöre oder die in letzter Zeit so oft von der Insel schwappenden Stadionambitionen sucht man auf dem Album vergeblich.

Stattdessen wecken Songs wie „Lover (Don’t Let Me Down)“, sicher nicht zuletzt wegen seines Titels, Erinnerungen an Jeff Buckley: Träumerische Gitarren, gepaart mit Wyndhams Falsetto und Harmonien auf Grenzgang, bevor sich die angekündigte Klimax vor der endgültigen Konsequenz doch in letzter Sekunde in Wohlgefallen auflöst. Man würde gerne mitsingen, wenn denn nicht vorprogrammiert wäre, dass man bei der stimmlich geforderten Bandbreite wahrscheinlich kläglich versagen würde.

Genau wie sich im Ozean die verschiedenartigsten Spezies tummeln und trotz ihrer Unterschiedlichkeit ein sinniges Ganzes ergeben, ist beispielsweise „Salt“ ein Paradebeispiel dafür, wie Palace auf „Shoals“ unterschiedlichste Fragmente wie geisterhafte Backings, verzerrte Gitarren und ein sphärisches Klavier zu einem stimmigen Sound verbinden.

Das Einzige, das der Longplayer braucht, ist Zeit. Denn statt auf Eingängigkeit oder Hitgarantie setzen Palace auf Atmosphäre.

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