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Swutscher – Swutscher

Dass ihre Tour de Force durch die „Wilde Deutsche Prärie“ nicht ihr letzter nonkonformer Ritt durch die Musiklandschaft bleiben würde, war sowohl dem Swutscher-Debütalbum, als auch auch der physischen Wucht ihrer Live-Präsentation dieser Platte anzuhören.

Der Erstling erzählte vom Leben jenseits hipper Urbanität, berichtete gespeist von tresen-getriggerter Philosophie – vgl. Casper in „Hinterland“: „Die leeren Gläser der Theke sind beste Lupen auf`s Leben“ – und ohne fuseligen Weltschmerz vom Leben in den emotionalen Unwegsamkeiten der Peripherie.

Das Quintett spielte sich darauf mit norddeutscher Sachlichkeit einmal quer durch diverse Genres der Musikgeschichte, mit dem selbstbetitelten Nachfolger zementieren sie in zehn Teilen ihre tönende Sperrigkeit nebst dem innewohnenden Underdog-Charme.

Die Band grüßt auf dem Cover vorm Husumer Deich und wenn Thees Uhlmann mit „Lat: 53.7 Lon: 9.11667“ dem Norden eine Ode schrieb, fällt ihre Hommage an die Heimat mit dem Einsteiger „Daheim“ weniger kumpelhaft, aber nicht minder authentisch aus.

Das Schlagzeug rumpelt, die Orgel fiept, die Gitarren jaulen: so leidenschaftlich wie kompromisslos gewinnt ihre Eigenproduktion an Fahrt. „Als Ich Dich Das Erste Mal Vergaß“ nimmt sich dabei noch die Zeit für den melodischen Moment bevor der Bass wieder zur Eile treibt und Sascha Utechs Gesang die Seele in eine exponierte Lage versetzt.

Bevor „Im Suhlenkamp“ davon schlendert, lässt das Stück noch entfernt an Mutter denken, gibt „Palm Royale“ Zaubertrank-befeuert dem Country-Gaul die Sporen, verbreiten „Mystische Nächte“ eine Stimmung zwischen der Anmut aus 1001 Nacht und einem Alleinunterhalter auf einem Ausflugs-Dampfer.

Ein munteres Honky-Tonk-Piano begleitet den wilden Glam-Krautrock, mit dem die Zitat- und Sinnspruch-Sammlung „Ü30“ unterwegs ist, gibt „Rocker“ das musikalisch wie inhaltlich schnörkellose Gelage.

Das Leben ist und bleibt ein „Tohuwabohu“ und genau dafür liefern Swutscher einen vitalen Soundtrack, an dessen Ende der manisch-depressive „Bodo“ in einer emotionalen Ballade im Geiste Rio Reisers einen Seelenstriptease hinlegt, bei dem man ihm einfach nur eine warme Decke reichen will.

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