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Thirsty Eyes – A Certain Regard

Die Steppenläufer rollen durch die Szenerie, vor der sengenden Hitze schützen sich die Protagonisten mit in die Stirn gezogenen Hüten, irgendwo dampft ein Revolver. Diese stereotypische Western-Kulisse eröffnet sich nicht etwa beim nächsten Tarantino-Streifen, sondern bei einer Platte des österreichischen Quintetts Thirsty Eyes!

Woher genau diese Leidenschaft für zurückgelehnten Desert-Rock bei den Thirsty Eyes stammt, ist nicht überliefert. “A Certain Regard” zeigt aber, wie gut Österreich die Wüste stehen würde.

Aus diesem großen Soundbild machen schon die ersten Töne des Openers “Slothchild” kein Geheimnis: Ein großer Chor erinnert vor den knirschenden Southern-Rock-Wänden an die guten alten Zeiten der Black Keys. Dennoch öffnet der Song nur den Vorhang für die restlichen elf Stücke der Platte, die einem auffälligen und doch mitreißenden Muster zu folgen scheinen.

Da wären auf der einen Seite die teils unheilvollen Strophen, in denen das Timbre von Samuel Ebner meist irgendwo zwischen Nick Cave und IAMJJ pendelt. Im Hintergrund kreisen die Gitarren mal sehr eindringlich, mal eher zurückhaltend.

Auf der anderen Seite reißen die Refrains und Bridges die Hörer*innen immer wieder ruckartig aus ihrer Komfortzone. Das geschieht, wenn etwa “Touch The Weather” in lässige Rock-Gestik verfällt, “In Viagra” sich wie ein wütender Hund von der Leine reißt oder “Chickenbeat” in polyrhythmischem Chaos ausartet.

Der Hang zu einem Desert-Rock mit Vorliebe für die 70er Jahre überstrahlt dabei jeden Soundtupfer, doch Thirsty Eyes fügen dem Ganzen die gewisse Würze hinzu. Etwa, wenn “Pop Sent” sehr eindringlich in Hit-Richtung schielt oder die Beats von “Honolulu Homicide” verdächtig nach dem Franz Ferdinand-Song “No You Girls” klingen. Nur eben mit Wüstenstaub bedeckt.

Insgesamt hätte der Platte vielleicht die ein oder andere Wetterveränderung gutgetan, die Intensität von Songs wie “Lonely Gold” tröstet aber über die mangelnde Varianz hinweg. Außerdem versteckt sich mit “838” ein Klavier getragener, nahezu cineastischer Moment im letzten Drittel des Albums, der schon mal andeutet, welche weiteren Blockbuster wir noch mit dieser Band erkunden werden dürfen.

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