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Wallis Bird – Hands

Im Beliebtheitsduell gegen Füße haben Hände verständlicherweise einen ziemlich großen Vorsprung. Dabei steckt in ihnen jedoch weit mehr als die Kraft, Zuneigung auszudrücken oder filigrane Kunst zu vollführen. Hände können auch kraftvoll sein, Mauern einreißen, Gewalt ausüben, Widerstand zum Ausdruck bringen. Eine Vielfältigkeit, die für die irische Singer-Songwriterin Wallis Bird genug Inspiration für ein neues Album spendierte, das genauso bunt leuchtet.

Der Sound der in Berlin ansässigen Musikerin hatte schon auf den Vorgängeralben eine besondere Dynamik entwickelt, immer wieder stieß frohlockende Opulenz auf intime Analogie. “Hands” treibt dieses Spiel nun auf den Höhepunkt und wagt einen intensiven Drahtseilakt aus ansteckender Spielfreude und aufwühlendem Inhalt.

Natürlich muss das siebte Wallis-Bird-Album aus zehn Songs bestehen, wenn man schon mal beim Thema ist. Als Zeigefinger der Platte dient der Track “What’s Wrong With Changing“, in dem Bird vor befreiender Folk-Breitwand gegen Repressalien, Konservatismus und Ausgrenzung ansingt.

Der Ringfinger bekommt mit “I’ll Never Hide My Love Again” einen gegensätzlichen Sound-Entwurf kredenzt, der in akustischer Emotionalität der Liebe zugewandt ist. Und mit “F.K.K. No Pants Dance” drückt der Daumen voller Inbrunst auf den Auslöser der Discokugel, lässt angenehm verschrobene Synthesizer durch die Szenerie flitzen und Wallis Bird in St.-Vincent-Lässigkeit zum Tanzen aufrufen.

“Hands” ist jedoch stärker als Hände (zugegeben eine etwas kitschige Analogie), es ist mehr als ein feuchter Händedruck, sondern ein spürbarer Identifikationspunkt der Musikerin. Denn das Kaleidoskop dieser Platte ist nur so gesprenkelt vor Persönlichkeit, mal im warmen Indie-Pop der Marke Kat Frankie (“Go”), mal im Singer/Songwriter-Klimax à la Orla Gartland (“The Power Of A Word”), mal aber auch eskalativ vor drängenden 80er-Beats (“I Lose Myself Completely”).

Wallis Bird scheint diese Platte etwas zu bedeuten, keine überkreuzten Finger, keine erzwungene Streamingdienst-Tauglichkeit. “Hands” will tanzen, will grübeln, will zum Protest aufstacheln und holt dafür so viele Sounds aus der Tasche, dass einem fast schwindelig werden könnte.

Wallis Bird schnürt aber all das – dank ihrer Songwriting-Finesse – zu einem schmackhaften Paket zusammen, das in jede Jackentasche passen wird.

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