Perfume Genius schreibt Musik für Menschen, die sich gerne in der Arte-Mediathek verlieren. Das sechste Album von Mike Hadreas tänzelt gemächlich, aber bestimmt in die avantgardistischen Zirkel des Art-Pop.

Seit der Veröffentlichung seines Debütalbums “Learning” im Jahr 2010 hat sich Perfume Genius von einem mürrischen Singer/Songwriter in einen Visionär verwandelt. „Ugly Season“ wurde als Soundtrack zum Film „The Sun Still Burns Here“ von 2019 konzipiert – einem Tanzprojekt mit der Choreografin Kate Wallich, das demnächst von dem visuellen Künstler Jacolby Satterwhite mit einem Musikfilm begleitet werden soll.

Und schon steckt man tief drin im Kulturteil von Arte: Auf Ballettschuhen gleitet ein Song wie „Teeth“ über ein ausdruckstarkes Streicher-Intermezzio in eine Dramaturgie, die das gesamte Album nicht mehr loslässt. Zwischen den Welten von Bat For Lashes und These New Puritans entfalten sich Xylophon-Landschaften, filigrane Electronica und sinnliche Melodien.

Dabei gibt sich Hadreas Mühe, Muster zu vermeiden und Konturen zu verwischen und stattdessen die kühnsten Facetten seines Sounds auszuleuchten. Strukturell ist die Platte damit eher ein Ausreißer in seiner Vita, lyrisch greift er aber auf beständige Themen wie Queerness, Verkörperung und Bewegung zurück. Die Rhythmik gleicht gar einer Sezession von Bewegung an sich.

In Summe gleicht „Ugly Season“ einer weiteren schillernden Demonstration von Perfume Genius’ experimentellem Einfallsreichtum. So individuell, dass man irgendwo Dave Gahan singen hört: “Your own Perfume Genius”.

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