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Danger Mouse And Black Thought – Cheat Codes

Es kommt nur noch selten vor, dass sich der gemeine Musikhörer, die beflissene Musikhörerin wochen-, monate- oder gar jahrelang ein Album herbeisehnt. Zu groß ist die Fülle an permanenten Releases, um gezielt auf das eine hinzufiebern.

Freilich gibt es in unregelmäßigen Abständen Ausnahmen. Eine davon ist das seit beinahe zwei Jahrzehnten in der Gerüchteküche hochgekochte, erste gemeinsame Album von Danger Mouse & Black Thought. (Zwischenzeitlich machte das gemeinsame Projekt der beiden fälschlicherweise unter dem Namen “Dangerous Thoughts” die Runde.)

Man hat es schließlich mit zwei übergroßen Persönlichkeiten der Musikbranche zu tun. Zum einen produziert und sampelt hier Brian Burton aka Danger Mouse, ein genreübergreifendes Universalgenie, das sich mit Rapper CeeLo Green zusammentat, mit dem er als Gnarls Barkley zwei Alben veröffentlichte.

Er arbeitete mit Damon Albarn und Beck, gründete zusammen mit The-Shins-Frontmann James Mercer das Duo Broken Bells, produzierte Alben für die Black Keys und Gorillaz. Die Liste ließe sich seitenweise fortsetzen.

Auf der anderen Seite rappt Tariq Trotter aka Black Thought, Mitbegründer des legendären Hip-Hop-Kollektivs The Roots, Urheber der gefeierten Solo-Triologie „Streams Of Thoughts“, Haus und Hofrapper in Jimmy Fallons Tonight Show und gern gesehenen Gast in der Sesamstraße.

Das Problem liegt auf der Hand: zwei Legenden, ein Status und damit einhergehend nahezu unerfüllbar hohe Erwartungen. Wer hoffte, dass mit „Cheat Codes“ Hip-Hop-Revolution geschrieben wird, sieht sich ernüchtert. Die Platte ist im besten Sinne klassisch, nicht oldschool. Sie wirkt elegant, nie progressiv, gefällt sich traditionell, aber nicht tradiert.

So beginnt bereits der Opener „Sometimes“ mit einem betörenden Vintage-Soul und einem Sample von Gwen McRaes „Love Without Sex“, das Danger Mouse nur leicht abändert und Black Thought seinen glatten und bedächtigen Flow abspulen lässt.

Es folgt der ungleich angriffslustigere Titeltrack, in dem Danger Mouse die Schlagzahl und Black Thought die Intensität erhöht, bevor eine namhafte Gästeliste eine süffisante Vielfäligkeit potenziert.

Neben Michael Kiwanuka und Kid Sister ist es der Auftritt des verstorbenen Rappers MF DOOM, mit dem Danger Mouse mehrfach zusammenarbeitete, der in „Belize“ vor Lebendigkeit strotzt. Ein Beweis dafür, wie lange dieses Projekt schon gärt und wie nun alles ineinander fließt.

Die introspektive Melancholie von „The Darkest Thought“ geht nahtlos in den schwungvollen Bounce von „No Gold Teeth“ über, das schon im Titel unterstreicht, dass hier keine plakativen Hip-Hop-Klischees bedient werden. Das rasiermesserscharfe Run-The-Jewels– und A$AP-Rocky-Stück „Strangers“ mündet in das luftige „Close To Famous“.

Es ist die gefühlvolle, freigeistige Musik von Danger Mouse, die Black Thought und den Gästen stilvolle Betten für gestochen scharfe, chorusfreie Lyriks schafft, woraus ein geradezu edles, vor allem aber zeitloses Hip-Hop-Album erwächst.

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