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Ich wollte schon immer einen Zufluchtsort kreieren – Stella Donnelly im Interview

Mit ihrem zweiten Studioalbum “Flood” schickt die Australierin Stella Donnelly einen luftig leichten Sommergruß in die weite Welt hinaus. Zwischen Sehnsucht, Hoffnung und flockigem Liebreiz pendelnd, verzaubert die Sängerin ihre Anhängerschaft mit viel Tiefgang und Atmosphäre. Kurz vor der Veröffentlichung des neuen Schaffens trafen wir uns mit Stella Donnelly zum Interview und sprachen über Zufluchtsorte, die Kraft der Natur und einen (noch) unerfüllten Traum.

MusikBlog: Stella, wir leben momentan in sehr extremen Zeiten. Inwiefern beeinflussen die derzeitigen Geschehnisse in der Welt deine Gefühle hinsichtlich der Veröffentlichung deines zweiten Studioalbums “Flood”?

Stella Donnelly: Es ist schon ziemlich schwierig. Man macht sich viele Sorgen und man ist stets mit einem Ohr irgendwo anders. Auf der anderen Seite ist es aber auch so, dass ich schon immer auch Musik gemacht habe, um einen Zufluchtsort zu kreieren. Kunst ist so immens wichtig in diesen Tagen. Die Menschen müssen auch eine Chance haben, irgendwo abzutauchen.

MusikBlog: Wie hast du die letzten beiden Jahre als Mensch erlebt?

Stella Donnelly: Das lässt sich in meinem Fall nur schwer trennen, da ich eigentlich immer irgendwie mit Musik zu tun habe. Bei uns in Australien war die Situation schon vor Beginn der Pandemie sehr angespannt. Aufgrund des Klimawandels hatten wir mit starken Fluten und unverhältnismäßig großen Buschbränden zu kämpfen. Dann kam auch noch die Pandemie. Es war wirklich hart. Aber es war hart für alle, für die ganze Welt.

MusikBlog: Wenn man die Pandemie nur als Isolationsbringer betrachtet: Zieht man da als Musiker auch etwas Positives raus?

Stella Donnelly: Es war in der Tat so, dass mir die Isolation, in Verbindung mit der daraus resultierenden viel größeren Zeitspanne, einige neue Türen geöffnet hat. Normalerweise wäre ich wahrscheinlich viel auf Tour gewesen. Während dieser Zeit hätte ich die meisten neuen Songideen mit der Gitarre festgehalten. Diesmal war aber alles anders. Ich hatte ein schier unendlich großes Zeitfenster zur Verfügung. Also habe ich die Gitarre zur Seite gelegt und mich mal wieder intensiver mit dem Klavier beschäftigt. Am Ende sind die meisten neuen Songs am Klavier entstanden, ganz ohne Zeitplan und Druck.

MusikBlog: Das klingt nach einem sehr entspannten Produktionsprozess.

Stella Donnelly: Es war auch sehr entspannt. Ich brauchte ungefähr fünf Monate, um mich mit der neuen Situation “anzufreunden”. Ich denke, dass jeder erst einmal geschockt war, als die Pandemie plötzlich vor der Haustür stand. Aber als ich dann mit den Songarbeiten anfing, war es von da an ein sehr ruhiger und entspannter Prozess.

MusikBlog: Auf dem ersten Album geht es im Titel um “Hunde” (“Beware Of The Dogs“). Diesmal präsentieren sich unzählige Vögel (Stelzenläufer) auf dem Cover. Haben diese tierischen Tupfer eine besondere Hintergrundgeschichte?

Stella Donnelly: (lacht) Ich liebe Tiere! Aber eine Verbindung gibt es eigentlich nicht wirklich. Das Foto mit den Vögeln hat sich mir zuerst gar nicht als Vogelbild erschlossen, da das Original eine 3D-Projektion ist. Ich war einfach begeistert von der visuellen Kraft des Bildes.

MusikBlog: Vögel haben irgendwann aber doch eine wichtigere Rolle gespielt. Du warst während des Produktionsprozesses auch ein paar Wochen im australischen Dschungel. Wie war das?

Stella Donnelly: Das war unheimlich inspirierend. Wenn man im normalen Leben zwischen verschiedenen Tönen schwankt, die sehr ähnlich klingen, man sich aber nicht so richtig für einen Ton entscheiden kann, dann kann ein Ausflug in die Natur helfen. Man lässt wieder ein bisschen los. Man öffnet sich wieder. Und dann hört man all die Vögel, die Bäume und tausend andere Geräusche. Das hilft beim Verarbeiten der Eindrücke, die man im Studio sonst so hat. Einfach mal rauskommen und die Natur genießen. Das war wichtig.

MusikBlog: Hat sich dadurch auch eine gewisse musikalische Leichtigkeit breitgemacht?

Stella Donnelly: Ich hatte schon klare Pläne für den Gesamtsound. Ich wollte mehr Piano, mehr Bläser und irgendwie mehr Raum für speziellere Arrangements.

MusikBlog: Für mich sticht der Song “Medals” besonders heraus. Ich finde aber auch “Lungs” ganz großartig. Dazu gibt es auch ein tolles Video. Welche Idee steckte dahinter?

Stella Donnelly: Um noch kurz auf deine erwähnte Songauswahl einzugehen. “Medals” ist auch einer meiner Lieblingssongs. Bei “Lungs” hängt es immer von der Tageszeit ab. Vor dem Frühstück passt der Song eher nicht. Aber danach feiere ich ihn! (lacht) Egal, das Video? Das war ein tolles Shooting. Ich wollte in dem Video die unbändige Kraft von Kindern zur Schau stellen. Kinder sind so unbekümmert und energievoll. Das liebe ich.

MusikBlog: Würdest du das kreative Schaffen von Neuem als den schönsten Part deiner Arbeit als Musikerin beschreiben?

Stella Donnelly: Momentan stehen Konzerte natürlich ganz oben auf meiner Liste. Nach so einer langen Zeit ohne Konzerte ist es einfach wundervoll, wenn man mal wieder auf die Bühne kann. Aber grundsätzlich ist es schon der Songwritingprozess, der mir am meisten Freude bereitet. Ich meine, im Studio zu arbeiten, das kann auch ein Alptraum sein. Wenn man unter Druck steht und die Zeit rennt, dann ist das nicht so toll. Aber wenn niemand auf die Uhr schaut, dann gibt es eigentlich nichts Schöneres.

MusikBlog: Stella, abschließend müssen wir natürlich noch klären, was aus deinem großen Side-Projekt-Traum geworden ist. In unserem letzten Interview sprachen wir auch kurz über deine Grunge-Band “Belles Rapids”. Wie ist der Stand der Dinge?

Stella Donnelly: (lacht) Oh, hier wird es mit einer Veröffentlichung wohl noch etwas länger dauern. Wir hatten in den letzten Jahren alle unheimlich viele andere Dinge zu tun. Aber ich gebe den Traum nicht auf. Irgendwann werde ich mit den Mädels ins Studio gehen und eine EP aufnehmen. Da glaube ich ganz fest dran.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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