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Das hatte irgendwie auch was Befreiendes – Marlon Williams im Interview

Auf der Suche nach neuen Herausforderungen stellt sich Marlon Williams nach der Veröffentlichung seines zweiten Soloalbums “Make Way For Love” etwas quer. Der Neuseeländer taucht ein in neue künstlerische Betätigungsfelder. Nun meldet sich der Solokünstler Marlon Williams zurück – im Gepäck hat er sein neuestes Musikwerk “My Boy“, ein Album, auf dem der Musiker seine Südsee-Crooner-Vibes mit dem New-Romantic-Flair der Achtziger vereint. Kurz vor der Veröffentlichung seines dritten Studioalbums trafen wir Marlon Williams zum Interview und sprachen über zurückgewonnene Freiheit und die Freude beim Loslassen.

MusikBlog: Marlon, du warst die letzten Wochen zusammen mit Lorde auf Europa-Tournee. Wie liefen die Shows?

Marlon Williams: Es war eine unglaublich schöne und sehr intensive Zeit. Ich kenne Ella (Lorde heißt abseits der Bühne Ella Marija Lani Yelich-O’Connor) ja schon etwas länger, und wir waren auch schon früher zusammen live unterwegs. Aber diesmal waren die Begleitumstände natürlich anders. Ich denke, nicht nur ich, wir alle hatten wirklich viel Spaß auf der Tour. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal so lange unterwegs war. Die Pandemie hat ja alles zum Stillstand gebracht. Umso schöner waren die letzten Wochen und Monate. Das hatte irgendwie auch was Befreiendes.

MusikBlog: Gab es einen Moment auf Tour, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Marlon Williams: Ich bin immer gerne mit Lorde unterwegs. Diesmal waren wir auch in London im Alexandra Palace zu Gast. Wir haben dort zusammen ein ganz besonderes Duett gesungen. Wir haben ihren Song Stoned At The Nail Salon” in Maori gesungen. Das war wirklich sehr berührend. Ich denke, diesen Moment werden wir beide so schnell nicht vergessen.

MusikBlog: Würdest du die Zeit, in der du auf Tour bist, als die wertvollste und schönste Zeit des Jahres bezeichnen?

Marlon Williams: Dieser Tage, nach so langer Abstinenz, ist es sicherlich eine ganz besondere Zeit, keine Frage. Als Künstler fühle ich mich aber überall zu Hause, Hauptsache, ich kann mich mit meiner Musik beschäftigen. Manchmal überwiegt die Freude vielleicht hier und da, aber im Großen und Ganzen liebe ich alle Facetten meines Jobs. Während eines guten Konzerts kann eine besonders spirituelle Atmosphäre entstehen. Das ist schon einzigartig. Aber auch die Arbeit im Studio kann faszinierend sein.

MusikBlog: Bleiben wir noch kurz bei der Live-Erfahrung. Was ist eigentlich die größere Herausforderung: Das eigene Publikum zufrieden zu stellen oder das Publikum eines Anderen auf seine Seite zu ziehen?

Marlon Williams: Das ist schwer zu sagen. Als Support-Act steht man natürlich unter einem ganz besonderen Druck. Man muss sich jeden Abend wieder aufs Neue vor einem Publikum beweisen, das eigentlich nur darauf wartet, dass der Hauptact auf die Bühne kommt. Das kann manchmal aber auch triumphale Momente entstehen lassen. Vor eigenem Publikum steht man aber auch unter Druck. Da muss man konkrete Erwartungen erfüllen. Beides ist herausfordernd.

MusikBlog: Gibt es Locations, in denen du besonders gerne spielst? Hast du da Vorlieben?

Marlon Williams: Eigentlich gehe ich überall gerne auf die Bühne. (lacht)

MusikBlog: Du veröffentlichst demnächst dein neues Album “My Boy”. Hast du auf der Tour bereits neue Songs live vorgestellt?

Marlon Williams: Ja, das habe ich. Die ausgewählten Tracks wurden auch sehr gut von Leuten aufgenommen. Es hat Spaß gemacht, sie live zu spielen. Es ist ja immer spannend, wenn man mit neuem Material auf Tour geht.

MusikBlog: Du hast das Album nach einem Song benannt, der sehr eingängig, einfach und simpel strukturiert daherkommt (“My Boy”). Ist er genau deswegen ausgesucht worden?

Marlon Williams: Nicht nur. “My Boy” war der erste und gleichzeitig auch der einfachste Song, den ich für das Album geschrieben habe. Bei allen anderen Songs hatte ich immer das Gefühl, man könnte noch ein bisschen mehr rausholen, einen C-Teil mit einbauen oder mit verschiedenen Bridges experimentieren. “My Boy” hingegen besteht nur aus zwei Teilen, und dennoch vereint der Song so ziemlich alles, was mir für das Album wichtig war. Das ist schwer zu beschreiben. Aber in meinen Augen ist es genau der richtige Titel, der vorangeht.

MusikBlog: Das große Ganze präsentiert sich sehr offen, facettenreich und positiv. Das letzte Album war ja ein klassisches Trennungsalbum. Wolltest du diesmal ganz bewusst eine andere Atmosphäre kreieren?

Marlon Williams: Es kamen verschiedene Dinge zusammen. Vor allem hatte ich diesmal viel mehr Zeit. Die Pandemie hat es mir ermöglicht, etwas druckbefreiter zu arbeiten. Sonst hatte ich immer nur ein paar Wochen Zeit. Diesmal gab es keine Deadline, das hat geholfen. So konnte ich viel ausprobieren. Ich denke, dass so auch eine positive Grundstimmung entstehen konnte. Ich habe mich und die Songs einfach treiben lassen.

MusikBlog: Bist du ein Typ, dem es leichtfällt, loszulassen?

Marlon Williams: Ich bin nicht der Musiker, der gerne konzeptionell arbeitet. Ich weiß, das letzte Album war ein Trennungsalbum. Aber eigentlich bin ich immer sehr offen für Neues und lasse die Dinge gerne auf mich zukommen. Ich bin als Kind mit den Beatles aufgewachsen. Ich glaube, dass der “Yellow-Submarine”-Soundtrack meine erste Platte war. Diese Songs versprühen eine ganz besondere Leichtigkeit. Meine Eltern waren auch nie so, dass sie mich vor eine Wahl gestellt haben. Sie wollten immer nur, dass ich glücklich bin. Das alles hat dazu geführt, dass ich beim Musizieren immer, oder zumindest meistens, ohne vorgefertigte Muster oder Pläne an die Dinge rangehe.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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