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Bill Callahan – YTI⅃AƎЯ

Angesichts nicht enden wollender Krisen, kann ein Blick auf die Wirklichkeit gegenwärtig durchaus beängstigend sein. Daher keine schlechte Idee, die “YTI⅃AƎЯ” (“Reality”) von hinten aufzurollen.

Wobei Bill Callahan nicht in der Vergangenheit herumstochert, sondern mit den Erfahrungen aus selbiger nach Lösungen für die Gegenwart sucht, der Tendenz seiner jüngeren Karrierephase folgend, die Kraft seiner Lieder, die immer weniger vom Smog-Dunkel durchzogen sind, aus den basalen Augenblicken seines (Familien-)Lebens generiert.

Der Nachfolger von „Sheperd In A Sheepskin Vest“ und „Gold Record“, lässt sich dabei oft fünf bis sechs Minuten Zeit für seine Anliegen, erzählt der Mittfünfziger in bester Crooner-Manier über die Möglichkeiten der Selbstverwirklichung zwischen Geburt und Tod.

Dass der Mann, den seine Tochter dazu bringt, 20 Mal am Stück Harry Styles zu hören, dabei die richtigen Worte findet, überrascht nicht, die Umfänglichkeit der Arrangements seiner 12 aktuellen Kapitel dagegen schon, denn die gehen weit über den melancholischen Singer/Songwriter-Sound von „Everyway“ hinaus.

Akustisches Instrumentarium bleibt dabei das Fundament, daneben platzieren sich u.a. Piano, Hörner, Strom-Gitarre, Klarinette, Cello. Das Schlagzeugspiel des Dirty-Three-Drummers Jim White öffnet den Aufnahmen eine Vielzahl weiterer Ausdrucksmöglichkeiten.

Die staubige, in Moll gehaltene, Story von „Bowevil“ verdichtet sich im Verlauf auf Wovenhand-Light-Format, trifft in „Partition“ die latente Unruhe der Percussions auf eine Orgel, an der die Doors ihre Freude gehabt haben dürften.

Innehaltend „Lily“, die Erzählung über die Kontaktaufnahme zu seiner Mutter angesichts eines dafür schwindenden Zeitfensters, opulent hingegen „Naked Souls“ mit seinem unverhohlen Flirt mit dem Jazz, bevor diese Nummer ins Reich der Kakophonie abdriftet.

Mit „Natural Information“, einer Hommage an die Intuition, die mit einem treibenden Bläsersatz den damit beschiedenen Harlem Globetrotter-Star Meadowlark Lemon feiert, spielt Bill Callahan mit Uptempo-Country-Pop auf der helleren Seite des Daseins.

Im Nichts zwischen den „Planets“ nach einer klingenden Verbindung zu suchen, erweist sich im Setting dieses Songs als so schwierig, wie dato der Umgang mit der “Reality”. „The Last One At The Party“ hilft mit seiner Platte ein wenig dabei.

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